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20.11.2008 15:57 Uhr
» Übersicht » Fluggast-Informationen » Überflieger
Der Überflieger klagt an: Den Medien sind nur Katastrophen eine Meldung wert
Absturz, Notlandung oder sonstige größere Zwischenfälle mit Flugzeugen machen in den Medien Schlagzeilen. Erst kürzlich wieder, bei der Notlandung einer Ryanair-Maschine in Rom, wurde der Überflieger praktisch im Minutentakt mit Meldungen von verschiedensten Agenturen überschwemmt. Wie immer, am Anfang wurde viel spekuliert, und erst im Laufe des Tages wurden die tatsächliche Ursache und Wirkung bekannt. Ein solch spektakuläres Ereignis wird von den Medien gerne aufgegriffen, um eben spektakuläre Schlagzeilen zu produzieren.

Der alltägliche Luftfahrt-Wahnsinn
Vernachlässigt wird jedoch der alltägliche Luftfahrt-Wahnsinn, den Reisende Tag für Tag erleben müssen, wenn sie per Flugzeug von A nach B reisen wollen. Verspätungen, Flugausfälle, fehlende Informationen und vieles mehr ist eher die Regel als die Ausnahme. Die Ursachen hierfür haben verschiedenste Hintergründe, sind zum Teil aber hausgemacht – doch in den Medien ist darüber kaum etwas zu lesen, zu hören oder zu sehen. Mit Recht wird immer wieder über die Deutsche Bahn und ihre Verspätungen berichtet, kaum aber über die täglichen Verspätungen im Luftverkehr.

Bis etwa vor einem Jahr musste der Überflieger so alle zwei bis drei Wochen von Berlin nach Stuttgart fliegen – immer mit der letzten Maschine von Germanwings. Und von 15 Flügen hatten 15 Verspätung. Zum Teil mehr als eine Stunde. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass die Leute, die den Überflieger in Echterdingen abholten, schon automatisch Verspätungen einkalkulierten. Doch schlimmer erging es den Reisenden, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren, denn regelmäßig war die letzte S-Bahn bereits abgefahren. Darüber nie berichtet, obwohl aus einem so genannten Billigflug durch den dann fälligen Taxipreis fast ein Linienflug wurde. Und bei Germanwings interessierte dies niemanden. Mit faulen Ausreden und nicht nachprüfbaren Erklärungen hat man die Passagiere abgespeist.

Notfallkoffer an Bord: Ein Arzt klagt an
Was sich Fluggesellschaften leisten, bzw. nicht leisten, zeigen die unzähligen Erfahrungsberichte von Flugreisenden bei airline-bewertungen.eu – man kann es oft nicht fassen. Doch dieser alltägliche Wahnsinn findet in den Medien kaum einen Platz.

Einen unglaublichen Vorfall beschrieb Herr Dr. med. W. Schnabel aus Panketal, der eigentlich die Sicherheitsbehörden auf den Plan rufen müsste. Es geht um einen Flug am 27. Oktober von Antalya nach Berlin-Tegel mit der deutsch-türkischen Gesellschaft Inter-Airlines. Der Bericht (bearbeitet und gekürzt, Originaltext unter (http://www.airline-bewertungen.eu/airlinebewertung-4138.html ):

„Auffälliger Andrang vor den Toiletten. Ich erfahre, dass die Besatzung eines kompletten Reisebusses (All-inclusive-Gäste!) an akuter Durchfallerkrankung leidet und sich im Flieger auf der Rückreise nach Deutschland befindet. 30 Minuten vor der Landung kollabiert eine junge Frau stehend vor der Toilette, sie wird bewusstlos. Akute massive Defäkation (Stuhlgang) durch akute Sauerstoffnot des Gehirns in Folge Volumenmangels mit lebensbedrohlichem Kreislaufschock durch akute alimentäre (nahrungsmittelbedingte) Diarrhoe (Durchfall)!

Es wird nach einem Arzt gerufen. Ich melde mich sofort, leiste akute Hilfe (war selbst leitender Internist und Cardiologe einer Rettungsstelle- Intensivstation). Mir wird auf meine Anfrage nach akutem „Arztkoffer“ ein Koffer mit völlig unzureichenden Inhalt überreicht: Kein Blutdruckmessgerät, kein Stethoskop (Abhörgerät), keine Infusionsmöglichkeit, das heißt weder Infusionsflasche noch Infusionsbesteck. Ich bin entsetzt und bringe das gegenüber dem Flugpersonalleiter zum Ausdruck.
Durch Schocklagerung (siehe Bild) der Patientin erwacht diese und ist nach fünf Minuten wieder ansprechbar. Ich kann ihr medikamentös buchstäblich nicht helfen! Ich ordne erfolgreich eine Meldung an den Flughafenarzt in Tegel an. Die Maschine landet, und es ist sofort zusätzliche ärztliche Hilfe möglich. Der Zufall wollte es, dass die Patientin jung war und diese Misere lebend überstanden hat. Ein kranker älterer Mensch wäre ohne ärztliche Medikation verstorben.

Kein Dank vom Flugpersonal an meine Hilfeleistung! Die junge Frau hat überlebt, 50 bis 60 Reisende mit nahrungsmittelbedingter Durchfallerkrankung verlassen auf Nimmerwiedersehen fluchtartig den Flieger (Angst vor Quarantäne).“


Der Überflieger hat am 16. September unter der Überschrift „Weltweit sterben etwa 2500 Passagiere an Bord eines Flugzeugs – warum?“ über die Problematik ärztlicher Versorgung an Bord berichtet. Durch den Erfahrungsbericht von Herrn Dr. Schnabel wird wieder einmal deutlich, dass eine wirkungsvolle Erste-Hilfe-Einrichtung zumindest bei Inter-Airlines nicht vorhanden ist.

Es stellt sich aber die Frage, warum es immer noch keine verbindlichen Vorschriften für die medizinische Ausstattung an Bord von Flugzeugen gibt? Wer prüft, ob das Bordpersonal tatsächlich in Erster Hilfe geschult worden ist, nicht in einem Crash-Kurs, sondern in regelmäßigen Kursen? Wenn sich Airlines alleine darauf verlassen, dass evtl. ein Arzt an Bord ist, dann ist das fahrlässig.

Zumindest aber sollten Flugzeuge ohne eine fachgerechte Notfall-Ausrüstung gar nicht abheben dürfen. Es kann und darf nicht sein, dass manche Hausapotheke besser bestückt ist als ein so genannter Notfallkoffer in Flugzeugen. Damit sollen sich die Medien einmal beschäftigen, denn es geht tatsächlich um Menschenleben! Und hierüber kann sich der Überflieger richtig aufregen.

Doch um etwas zu ändern bedarf es der Mithilfe aller Passagiere. Schreiben Sie bei airline-bewertungen.eu über Ihre Erfahrungen. Die Fluggesellschaften lesen die Bewertungen mit großem Interesse – und vielleicht ziehen sie dann auch die richtigen Konsequenzen.

Ihnen aber wünscht
der Überflieger
eine hoffentlich unaufgeregte Woche.
ueberflieger@airline-bewertungen.eu
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