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Airline News Überflieger




18.11.2008 13:53 Uhr
» Übersicht » Fluggast-Informationen » Überflieger
Der Respekt gehört den Piloten
Liebe Freunde der Luftfahrt,
man nörgelt und schimpft oft über alles mögliche rund um die Fliegerei. Und in der Tat, es gibt auch viele Dinge zu bemängeln. Aber ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es kaum oder nur in seltensten Ausnahmefällen etwas an den Piloten auszusetzen gibt? Im Gegenteil, gerade in den letzten Wochen sind Piloten zu wahren Helden geworden: Sie schafften es Flugzeuge im Sturzflug wieder abzufangen, sie meisterten technische Probleme professionell und legten lieber eine Sicherheitslandung hin, als ein Risiko einzugehen. Die Piloten sind die „Pfunde“ einer jeder Airline.

Es ist schon interessant, man setzt sich in ein Flugzeug und hat ein mehr oder weniger grenzenloses Vertrauen in die Technik, mehr aber in die Pilotinnen und Piloten. Und das zurecht, denn die Ausbildung, bis ein Mensch zum Beispiel einen Airbus steuern kann und darf, ist schwierig und lang. Kritisiert man die Lufthansa in vielen anderen Bereichen, im Bereich der Piloten-Ausbildung ist sie mit an der weltweiten Spitze. Deshalb lohnt es sich auch, einmal in aller Kürze den schwierigen Weg zum Lufthansa-Piloten zu beschreiben.

Die Aufnahme-Prüfung
„Aufnahmeprüfung für die Ausbildung als Verkehrsflugzeugführer bei der Lufthansa“ so heißt die offizielle Bezeichnung. Ein zukünftiger Airbus-Pilot hat meist schon eine fliegerische Vergangenheit. Viele, die sich zur Aufnahmeprüfung bei der Lufthansa anmelden, kommen aus dem Segelflugsport oder haben schon Erfahrungen mit Kleinflugzeugen.

Die Auswahlkriterien sind gnadenlos
Wegen der strengen Auswahlkriterien schaffen allerdings nur acht Prozent der Bewerber die fünftägigen Lufthansa-Aufnahmeprüfungen. Um zu dieser Prüfung überhaupt zugelassen zu werden, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Einwandfreier Lebenswandel, durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses (keine Vorstrafen, kein ausgedehntes Punktekonto in Flensburg!), deutsche Sprache in Wort und Schrift, EU-Staatsangehörigkeit oder unbefristete und unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis. Bei befristeter Aufenthaltserlaubnis ist zusätzlich eine Arbeitserlaubnis nötig.

Flugmedizinische Tauglichkeit der Klasse I. Die Erstuntersuchung muss durch ein AMC (Aero Medical Center) erfolgen. Für eine Lufthansa-Ausbildung bei der LFT (Lufthansa Flight Training) in Bremen: maximal +/- 3.0 Dioptrien (Sehschärfe korrigiert 100%; Bewerbung mit Laser-OP eingeschränkt möglich - Ausgangswert darf zum Zeitpunkt der OP nicht +/+ 3.0 Dioptrien überschritten haben.
Eine erste Prüfung erfolgt noch vor dem Test durch den Medizinischen Dienst der Lufthansa. Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Fachhochschulreife genügt nicht) Körpergröße 165 cm bis 198 cm. Für den Erwerb der Lizenz für Verkehrsflugzeugführer gibt es keine festgeschriebenen Altershöchstgrenzen.

Allerdings legen die Fluggesellschaften verschiedenste Altersgrenzen zur Einstellung fest. Für Lufthansa liegt sie derzeit bei 29 Jahren und 364 Tagen nach Abschluss der Ausbildung zum Flugzeugführer. Das Mindestalter bei Lizenz-Aushändigung beträgt 18 Jahre. Geprüft werden auch Allgemeinwissen und technisches Verständnis. Getestet wird die psychische und physische Eignung eines Bewerbers. Das sind die Mindestvoraussetzungen.

Nach bestandener Aufnahmeprüfung
Wer diese Prüfungen überstanden hat, für den beginnt eine dreimonatige Theoriephase in den Fächern Navigation, Meteorologie, Elektrotechnik, Air Traffic, Control und Aerodynamik sowie das Erlangen des englischen Sprechfunkzeugnisses (BZFI). Ausbildungsort ist die der Lufthansa gehörende Verkehrsfliegerschule in Bremen. Die meisten Flugschüler bezeichnen die ersten sechs Monate als die härteste Zeit der Ausbildung.

In den ersten sechs Monaten kommt der Flugschüler zu allem, nur nicht zum Fliegen. Auf dem Stundenplan stehen vielmehr 720 Stunden theoretischer Unterricht, der mit den Theorie-Prüfungen für die „Privat-Piloten-Lizenz“ (PPL), „Commercial Pilot Lizenz“ (CPL), für das „Instrument Flight Rating“ (IFR) und für das „Allgemeine Funksprechzeugnis“ (AFZ) abgeschlossen wird. 20 Ausbildungsstunden auf einem Link-Trainer (Simulator) führen zum zweiten Ausbildungsabschnitt.

Nach sechs Monaten wird geflogen – aber nur mit Kleinflugzeugen
Dann geht es ab nach Phoenix in die USA. Dieser Ort wurde von der Lufthansa ganz bewusst als Ausbildungsort gewählt, hier garantiert das Wetter einen kontinuierlichen Schulungsbetrieb. Die Ausbildung erfolgt im „Air Training Center“ der Fluggesellschaft „Pacific Southwest Airlines“.

Der erste Teil der fliegerischen Ausbildung dauert vom siebten bis zum 16. Monat mit insgesamt 270 Stunden. 175 Stunden wird mit einmotorigen „Piper Arrows“ und „Beech Bonanzas“ trainiert und 95 Stunden mit der zweimotorigen „Piper Aztec“ und einer „Beech Baron“. Gleichzeitig müssen noch einmal 270 Stunden Theorie gepaukt werden, weitere 30 Stunden gehören wieder dem Flugsimulator. Die Ausbildung endet mit den praktischen und theoretischen Prüfungen für PPL (Private Pilot Licence) und CPL (Commercial Pilot Licence).

Das Ende der Ausbildung erfolgt wieder in Bremen
Nach der Flugausbildung in Phoenix geht es zurück nach Bremen, wo der letzte Teil der Ausbildung erfolgt. Auf dem Lehrprogramm stehen weitere 20 Stunden im Flugsimulator, 30 Flugstunden auf einer zweimotorigen „Beech 90 C Air“ und noch einmal 360 Stunden Theorie.

Nach all diesen Mühen folgt die praktische Prüfung für das IFR (Instrument Flight Rules), also die Führung eines Flugzeugs nach den Regeln des Instrumentenflugs, und die theoretische Prüfung für die „Airline Transport Pilot Licence“ (ATPL) - Lizenz für Verkehrspiloten. Erst danach beginnt die Einweisung auf einem der im Linienverkehr eingesetzten Flugzeugtypen.

Airbus-Ausbildung beginnt in Frankfurt und Kroatien
In Frankfurt wird die „Musterberechtigung“ für den Airbus A320 im „Full-Flight-Simulator“ durchgeführt. In diesem Hightech-Simulator des „Lufthansa Flight Trainings“ werden alle nur erdenklich möglichen Flugsituationen trainiert.

Am Ende dieses Trainings steht ein Abschluss-Simulationsflug, der zweimal zwei Stunden mit nur 15 Minuten Pause dauert. Der Pilot muss einen wahren „Pannenflug“, der in der Praxis eher unwahrscheinlich ist, bewältigen. Zum Beispiel einen Startabbruch bei einem Triebwerkausfall, das Landen im dichten Nebel oder den Ausfall des Fahrt- und Höhenmessers, also das Fliegen nach Gefühl.

In Kroatien fliegt der Pilot erstmals in der Realität einen Airbus, etwa 15 Platzrunden mit Starts und Landungen, natürlich ohne Fluggäste. Dies ist Teil des dreimonatige Linientrainings für Maschinen im Kurz- und Mittelstreckenbereich. Und das wiederum ist die Voraussetzung für Langstreckenflüge.

Die hohen Kosten der Ausbildung
Die Ausbildungskosten betragen mindestens 50.000 bis 70.000 Euro, hinzu kommen noch die Lebenshaltungskosten und Unterkunft. Zusätzlich kommen bei manchen Fluggesellschaften noch bis zu 25.000 Euro für den Erwerb einer Musterberechtigung (Flugzeugtyp) hinzu. Diese Kosten muss der Auszubildende alleine tragen.

Doch der „Traumberuf“ Pilot hat zwei Seiten, neben der Faszination Fliegen ist es ein echter Knochenjob, der höchste psychische Belastbarkeit und eine große physische Hochleistung voraussetzt. Deshalb sind die Anforderungen der Lufthansa an die Bewerber und an die Qualität der Ausbildung sehr hoch. Dieser Anspruch hat die Lufthansa zu einer sichersten Airlines der Welt gemacht.

Der Überflieger möchte mit dieser Darstellung daran erinnern, dass die Piloten während eines Fluges das geringste Sicherheitsrisiko sind. Im Gegenteil, sie sind es, die dafür sorgen, dass man wohlbehütet einen Flug von A nach B genießen kann – vorausgesetzt, dass auch der Service stimmt. Aber dafür sind die Piloten nicht zuständig.

Immer einen guten Piloten an Bord
wünscht Ihnen der Überflieger
ueberflieger@airline-bewertungen.eu
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