Condor: Erst Startabbruch, dann Vorwürfe von Passagieren
Der „Münchner Merkur“ berichtete heute über einen Vorfall an Bord einer Boeing 757-300 von Condor, der wieder einmal bestätigt, wie sensibel Passagiere zur Zeit auf Probleme eines Flugzeugs reagieren, das sie an ihr Reiseziel bringen soll.
Diesmal sollen es Piloten gewesen, die mit der Angst von Passagieren nach einem abgebrochenen Start sehr geschmacklos umgegangen sein sollen. Wir zitieren aus dem Münchner Merkur:
„Nach einem Fehlstart auf dem Flughafen München löste gestern eine Äußerung des Piloten über den Absturz der SpanAir-Maschine bei den Passagieren Empörung aus. Ein Kapitän der Fluggesellschaft Condor soll gestern den Absturz der Span Air-Maschine, bei dem 153 Menschen tödlich verunglückt waren, als ein „von den Medien hochgeputschtes Ereignis“ bezeichnet haben. Die Crew dementierte dies, der ehemalige BR-Moderator Enrico de Paruta will es aber so gehört haben. „Wir waren auf der Rollbahn, das Flugzeug beschleunigte, konnte aber nicht abheben“, berichtete der 54-Jährige. Der Kapitän habe übers Bordmikro von einer Kleinigkeit gesprochen, die sofort behoben sei.
Noch bevor die Maschine stand, schnallte sich eine 58-jährige Frau ab und wollte Details erfahren. „Der Kapitän hat von einer Verwaltungssache gesprochen. Das war absolut ungenau“, sagte Serina E. gegenüber dem „Münchner Merkur“. „Die Flugbegleiterin ist auf die Dame losgegangen, sie solle hier keine Panik verbreiten. Im Flugzeug war es mucksmäuschenstill“, erzählte de Paruta. „Mir hat er erklärt, dass von den elf Bremssystemen noch drei funktionieren“, sagte die gebürtige Rumänin, die seit 30 Jahren in München lebt.
Condor-Sprecherin Nina Kreke erklärte, dass der Pilot aufgrund einer Fehleranzeige bei der Schubumkehr den Rollvorgang um 6.13 Uhr abgebrochen habe. Man könne zwar auch ohne diese Bremsunterstützung fliegen, doch der Kapitän wollte auf Nummer sicher gehen. Er habe zudem in einer längeren Ansage das Problem genauer beschrieben. Als er von der verängstigten Reisenden hörte, habe er persönlich mit ihr gesprochen. „Sie schien sich beruhigt zu haben“, sagte Kreke. Um 7.20 Uhr startete die Maschine mit allen Passagieren. So der Bericht im „Münchner Merkur“.
Sollten sich die Vorwürfe der Passagiere bestätigen, dann wäre es wieder einmal ein völlig unverständliches Verhalten von Airline-Mitarbeitern. Psychologen und Experten haben schon mehrfach Airlines angemahnt, bei Zwischenfällen – und seien sie noch so harmlos – sensibel zu reagieren.
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