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30.09.2008 10:58 Uhr
» Übersicht » Fluggast-Informationen » Überflieger
Randalierer an Bord - und Schuld daran ist meist der Alkohol
Randale an Bord, ein Horrorszenarium für Crew und Passagiere– und bei weitem gar nicht so selten, wie man glauben möchte. Der Überflieger selbst hat eine solche Situation noch nicht erlebt, aber immer wieder davon gehört und gelesen. Mir ist nur eine bestätigte Zahl aus dem Jahre 2002 bekannt, und zwar von der Lufthansa: 535 Vorfälle soll es innerhalb eines Jahres gegeben haben. Die LTU meldete zwölf schwerwiegende Fälle, in denen Passagiere nur in Fesseln von Bord gehen durften.

In der Fachsprache nennt man die Randalierer „Unruly Passengers“. Und diese können durch ihr Verhalten zu einer echten Gefahr an Bord werden. Es sind wirklich nur Einzelfälle, die deutsche Airlines melden müssen, aber an Bord von ausländischen Maschinen sieht das etwas anders aus, und meist ist immer Alkohol die Ursache – aber nicht immer. Es können Kleinigkeiten sein, die einen Vorfall auslösen.

Handschellen an Bord zur Sicherheit der Passagiere
Die Yellowpress berichtet gerne über Entgleisungen von prominenten Gästen – auch während eines Fluges. Solche Vorfälle werden meist bekannt. Mir ist da noch in Erinnerung, dass Liam Gallagher von Oasis an Bord einer Cathay-Pacific-Maschine randalierte und der Crew gegenüber sogar handgreiflich wurde, bis es gelang, ihm Handschellen anzulegen. Die Airline erklärte ihn zur unerwünschten Person und sprach ihm ein lebenslanges Flugverbot mit Cathay Pacific aus.

Einer der kritischsten Vorfälle ereignete sich vor einiger Zeit an Bord einer American-Airlines-Maschine als ein „Unruly Passengers“ die Toilette zerstörte sowie zwei Passagiere niederschlug und verletzte.

Zu weit trieb es auch ein Passagier an Bord eines United-Airlines-Jets, dem ein weiteres alkoholisches Getränke verweigert wurde, er pinkelte über einen Servierwagen.

Die Airlines erfolgreich reagieren mit Seminaren
Doch die Airlines haben aus solchen Vorfällen gelernt. Deeskalations-Training ist heute ein Teil der Ausbildung. Denn oft kann man durch richtiges Verhalten einen Passagier beruhigen – und dies wird in speziellen Seminaren trainiert. Das heißt, in der Regel ist die Crew auf auf Probleme mit Passagieren sehr gut vorbereitet.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit einem speziellen psychologischen Training bis zu 90 Prozent aller Beinahe-Randale-Fälle schon im Vorfeld bereinigt werden können. Dies ist auch ein Grund, weshalb trotz steigender Fluggastzahlen keine Zunahme von Randalismus festzustellen ist. Und Störenfriede müssen damit rechnen, dass es auch Crew-Mitglieder gibt, die die Kunst der Selbstverteidigung perfekt beherrschen.

Russische Airlines haben die meisten Probleme
In der Tat, aus der internationalen guten Statistik fallen Russland und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion heraus. Prügeleien, aggressives Verhalten und Randale – in den russischen Airlines herrschen nicht gerade selten unglaubliche Zustände. Die Ursache ist in den meisten Fällen der Alkohol. Passagiere trinken sich vor dem Abflug schon „Mut“ an und kommen deshalb schon betrunken an Bord. Immer wieder berichten russische Medien, dass wieder einmal ein Passagier in die Toilette eingesperrt werden musste, weil es nicht gelang, ihn zu beruhigen.

Die Zunahme von Vorfällen wegen Trunkenheit an Bord russischer Maschinen ist äußerst bedenklich, denn alkoholisierte Passagiere gefährden die Sicherheit enorm. Und trotzdem wird an Bord russischer Maschinen Alkohol in unglaublichen Mengen verkauft – besonders bei Charter-Urlaubsflügen.

Vor einigen Tagen erst musste ein Pilot während eines Charterflugs von St. Petersburg in die Türkei wieder umkehren, weil eine Horde betrunkener Passagiere an Bord eine Massenschlägerei anzettelten und große Zerstörungen anrichteten.

Jetzt hat sich die russische Flugaufsichtsbehörde „Rosawiazija“ diesem Problem angenommen und ist dabei eine so genannte "schwarze Liste" zu erstellen, in der alle Passagiere, die durch zu hohen Alkoholgenuss auffällig geworden sind, erfasst werden. Und die Namen sollen ständig aktualisiert den Airlines mitgeteilt werden.

Alkohol an Bord deutscher Airlines
Aber Alkohol ist auch für deutsche Airlines ein Problem. So berichteten Freunde von mir, die öfters nach Mallorca fliegen, dass vor allem männliche Reisegruppen schon im Terminal ihren Reisebeginn mit Alkohol feiern und dementsprechend an Bord für „ausgelassene Stimmung“ sorgen. Und sie sagen auch, dass es oft unverständlich sei, warum an Bord in solchen Fällen immer noch Alkohol verkauft wird. Allerdings war keinem meiner Freunde ein Fall bekannt, der mit Randale endete. Was aber die Flugbegleiterinnen an sexistischen Äußerungen ertragen müssen, das wäre oft unerträglich, vor allem auch dann, wenn sie von betrunkenen Passagieren auch noch angefasst oder „getätschelt“ werden.

Das Fazit kann eigentlich nur lauten: Alle Fluggesellschaften sollten sich einmal Gedanken darüber machen, wie sie mit ihrem eigenen Alkoholverkauf an Bord umgehen. Hier geht es nicht um ein Glas Wein zum Essen oder einen Drink zwischendurch, sondern um die Mengen. Es ist nachweislich geschehen, dass ein Passagier auf dem Flug von Hamburg nach Mallorca sieben Beck´s getrunken hat. Alle an Bord gekauft! Und beim Aussteigen hat er über die Gangway gereihert. Aber er war ganz friedlich! Na dann Prost!
Bis nächste Woche
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