A380-Landung in München: Notlandung - Überschriften vermitteln falschen Eindruck
Als vor einigen Tagen außerplanmäßig der neue A380 von Emirates in München landete, um ein an Bord schwer erkranktes Mädchen zu retten, gab es in Deutschland kaum ein Medium, das nicht mit irreführenden Schlagzeilen Leser locken wollte. Einige Beispiele:
Kölner Express: „Riesen-Flieger legt Notlandung in München hin“
Welt online: „Neunjährige stirbt nach A380-Notlandung“
Bild.de: „Airbus-Drama in München: Kleine Passagierin stirbt nach Notlandung“
Südkurier: „Kind stirbt nach Notlandung in München“.
Durch solche Überschriften wird der Eindruck vermittelt, als hätte der A380 wegen technischer Probleme und aus eigenen Sicherheitsgründen notlanden müssen bei dem ein Kind getötet worden sei. Beim Lesen dieser Schlagzeile erwartete der Leser geradezu, dass auf dem Münchner Flughafen Feuerwehr und Rettungskräfte bereit standen, um eine riskante Notlandung abzusichern.
Natürlich ist eine Landung aufgrund eines erkrankten Passagiers eine Notlandung, aber eine Überschrift wie „Neunjährige stirbt nach A380-Notlandung“ vermittelt eben doch, dass das Kind in Folge einer Notlandung gestorben sei.
Dass es auch anders geht, konnte man bei „stern.de“ lesen:
„Kind stirbt nach Zwischenlandung eines A380“ - eine Schlagzeile, deren Aussagekraft dem wirklichen Geschehen entspricht. So auch beim „Erdinger Anzeiger“:
„Krankes Kind: A380 muss in München notlanden“ oder in der Süddeutschen Zeitung: „Airbus A380 - Trotz Zwischenlandung stirbt kleine Passagierin“.
Dass eine außerplanmäßige Zwischenlandung keine Notlandung ist, das wissen alle Redakteure, aber um der Sensations-Schlagzeilen wegen scheuen viele vor irreführenden Überschriften nicht zurück. Eine angebliche Notlandung des größten Passagierflugzeugs der Welt lockt Leser an, die aber spätestens beim Lesen des Artikel merken, dass sie an der Nase herum geführt worden sind.
Dass es die Bild-Zeitung mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, das wundert niemanden, dass aber selbst renommierte Medien auf Sensations-Journalismus bauen, das zeugt wahrlich nicht von großer Kompetenz.
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