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Airline News Berlin Tegel




05.08.2008 11:19 Uhr
» Übersicht » Flughafen » Berlin Tegel
Skandal am Flughafen Tegel: Starten und Landen auf Blindgängern und scharfer Munition
Es ist unglaublich, aber unter dem zivilen Teil des Flughafens Tegel sollen möglicherweise noch hochexplosive Sprengsätze aus dem Zweiten Weltkrieg liegen, genau in dem Bereich, wo sich täglich Tausende Passagiere bewegen und Hunderte von Flugzeugen starten und landen.

Etwa 300 Hektar von 464 Hektar Flughafenfläche befinden sich im Eigentum des Bundes, und hierfür gibt es immer noch keine „amtlichen Kampfmittelbescheinigungen, die die Freiheit der Flächen von Munition nachweisen". Also die Bestätigung, dass der Untergrund frei von Blindgängern und scharfer Munition ist.

Diese Bescheinigung liegt nur für den militärischen Teil des Flughafens Tegel vor, also dort, wo die Flugbereitschaft der Regierung stationiert ist und sich das Empfangsgebäude für Staatsgäste befindet. Dort ist vor drei Jahren alles „entmunitioniert“ worden.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Markus Löning forderte von der Bundesregierung eine Stellungnahme zu dieser Problematik. Die Antwort kam vom Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Karl Diller. Er teilte mit, dass „Testfelduntersuchungen“ nach Munitionsfunden im Jahre 2004 tatsächlich bestätigt haben, dass größere Mengen Kampfmittel „auf einzelnen bisher nicht beräumten Flächen" noch immer vorhanden seien. Was nichts anderes heißt, dass täglich Tausende von Fluggästen sich auf einem Boden bewegen, in dem sich noch gefährliche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Und das ist ein echter Skandal! Während die Bundesregierung für ihre eigene Sicherheit und die ihrer Staatsgäste alle Vorkehrungen getroffen hat, überlässt man die Mitarbeiter des Flughafens, die Mitarbeiter der Airlines und die Passagiere dem Prinzip Hoffnung, dass nichts passieren wird.

Bereits im Jahre 2005 hat das Land Berlin als zuständige Sicherheitsbehörde eine Anordnung erlassen, dass sämtliche Erdarbeiten am Flughafen Tegel gemeldet werden müssen, um „geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr einzuleiten“. Die Anordnung richtete sich damals an den Bund, der jedoch noch immer mit der Berliner Flughafengesellschaft darüber prozessiert, wer die Kosten der Munitionsbergung tragen muss. Der Bund weigert sich vehement, auf seinen 300 Hektar Flughafengelände diese Kosten zu tragen.

Das ist der Grund, weshalb sich im Jahre 2008 immer noch gefährliche Blindgänger und scharfe Munition im Untergrund des Flughafens Tegel befinden.

Die Befürchtungen des Abgeordneten Löning teilen viele Experten auch. So ist nicht auszuschließen, dass durch die Zunahme der Starts und Landungen auch die Erschütterungen des Bodens zunehmen und nicht auszuschließen ist, dass dadurch ein Blindgänger wieder aktiviert werden kann. Und sollte der Fall eintreten, dass ein Maschine, aus welchen Gründen auch immer, einmal über die Landebahn hinaus rutscht, dann weiß niemand, welche Auswirkungen dies auf die im Boden gelagerten Kampfstoffe haben wird. Diese Möglichkeit bezeichnet die Flughafengesellschaft als reine Spekulation. Dabei ist alles, was man nicht ausschließen kann Spekulation. Kontrollen durch den Kampfmittelräumdienst gibt es zur Zeit nur, wenn neu gebaut wird, so wie jetzt beim neuen 90-Meter-Terminalanbau in Tegel.

Der eigentliche Skandal ist jedoch, wie fahrlässig die Verantwortlichen mit der Sicherheit am Flughafen Tegel umgehen. Da wird die Messlatte der Sicherheitsstandards für Flugzeuge sehr hoch gelegt, aber die Sicherheit am Boden sträflich vernachlässigt. Da schafft sich die Bundesregierung ein eigenes von Kampfmittel befreites Areal, überlässt aber gleichzeitig den Rest des Flughafens Tegel seinem Schicksal und bezeichnet die möglichen Gefahren als Spekulation. Im Prinzip jedoch geht es ums Geld, und die gerichtlichen Auseinandersetzungen können noch lange andauern – und man gibt sich unverantwortlich dem Prinzip Hoffnung hin, dass schon nichts passieren wird. Die Situation auf dem Flughafen Tegel ist aber nicht spekulativ, sondern real, und eine Gefahrenabwehr durch den Kampfmittelräumdienst steht nicht einmal zur Diskussion – das ist ein handfester Skandal, der auf Kosten der Sicherheit der Bürger geht.
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