Handys im Flugzeug - für den Überflieger ein Schreckgespenst
Den Fortschritt in den Lüften möchte auch der Überflieger nicht aufhalten. Er stellt sich jedoch die Frage, ob man wirklich alles, wirklich alles möglichen machen soll, was möglich ist.
Ist es schon auf Kurzstrecken bei U- und S-Bahnen, in Straßenbahnen oder auch bei Reisen mit der Bahn ziemlich lästig, dass es ständig irgendwo in den Hosen- oder Handtaschen mehr oder weniger angenehm klingelt, ist es oft eine Zumutung, Gespräche von wildfremden Menschen mit anhören zu müssen.
Als Beispiel möchte der Überflieger folgendes Erlebnis vom vergangenen Wochenende schildern. Der Überflieger saß in der U-Bahn neben einem sehr gut gekleideten Herrn, was in der Hauptstadt recht selten ist, als in seiner Hosentasche ein lautstarkes philharmonisches Orchester zu spielen begann.
Der Dialog begann (die Striche sind die Pausen) mit „Hallo Häschen - ja, ich liebe Dich noch – hast Du Dich von unserer wunderbaren Nacht erholt? - Natürlich komme ich heute abend wieder – Ich habe nur Bedenken, dass plötzlich Dein Mann nach Hause kommt – Na dann ist ja alles in Butter ...“ Noch sprechend verließ der Herr die U-Bahn, damit auch noch andere Fahrgäste an seinem Glück teilhaben konnten.
Genau solche Gespräche drohen nun auch hoch über den Wolken den Flugreisenden – allerdings mit dem größeren Nachteil, wenn man einen Langstreckenflug gebucht hat und ein Aussteigen während eines Flugs immer noch nicht möglich ist.
Jetzt weiß der Überflieger auch, dass das Telefonieren mit dem eigenen Handy an Bord von Flugzeugen in kurzer Zeit überall möglich sein wird. On Air und Aero Mobile verfügen über ein eigenes Funknetz in ihren Maschinen. Über Außenantenne und Satellit werden die Handysignale an eine Bodenstation gesendet und von dort ins Telefonnetz geleitet. Auch das Verschicken und Empfangen von SMS, MMS und E-Mails ist problemlos möglich. Die EU-Kommission hat bereits einheitliche Regeln für GSM-Netze in Flugzeugen erlassen und Handytelefonate während des Fluges europaweit erlaubt. Voraussetzung: Die Bordtechnik muss von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zugelassen sein. Für Inlandsflüge in Deutschland hatte das Bundesverkehrsministerium bereits im März die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen.
Und dann sieht der Überflieger die letzte Bastion der Ruhe vor jeglicher Kommunikation am Ende. Ein Hort der Ruhe und Entspannung – also das Flugzeug – wird bald der Vergangenheit angehören. Dann wird der Nebenmann die neusten Börsenkurse per Handy diskutieren oder seiner bereits im Flughafen wartenden Liebsten sagen, dass „er“ gleich landen werde. Und da jeder, der telefoniert, auch glaubt, laut reden zu müssen, damit er am anderen Ende der Leitung auch verstanden wird, hört Reihe 5 bis 10 immer mit. Dabei ist er vermutlich nicht alleine, und telefonieren noch weitere Personen gleichzeitig, dann ist es aus mit dem Glück in Ruhe fliegen zu können. Spätestens dann vermisst man die Durchsagen, dass man seine Handys ausschalten soll und erst wieder nach der Landung einschalten darf.
Und dann darf man sich auch fragen, wie haben diese Leute bisher das Fliegen überhaupt überlebt – ohne Handy, ohne SMS. Der Überflieger wünscht sich, dass die Technik diesem Fortschritt noch so viele Probleme bereitet, dass er wenigstens noch eine Weile in Ruhe fliegen kann. Es reicht doch auch das Laptop zum lautlosen Kommunizieren.
Der Überflieger hofft, dass die Kosten des Telefonierens in der Luft so hoch sind, dass sich das Problem von selbst erledigt, und mit seiner Meinung ist er nicht alleine. Es liegt nämlich bei den Fluggesellschaften, wie viel penetrantes Gequassel und Klingeltöne sie zulassen. Bei Emirates werden Passagiere schon jetzt in Informationsvideos gebeten, ihre Handys während des Fluges auf lautlosen Modus zu stellen.
British Midland Airways hat sich vehement gegen Bord-Telefonate entschieden. Es werden nur SMS und E-Mails per Handy zugelassen, und das auch nur vorläufig als Test an Bord einer Maschine. Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften, Air Berlin und Lufthansa, werden auch in Zukunft keine Handytelefonate an Bord ermöglichen. Mit Recht sagte ein Air-Berlin-Sprecherin: „Viele Passagiere sehen Handy-Geklingel als Belästigung an.“ Auch Lufthansa-Umfragen bei Flugreisenden haben ein eindeutiges Ergebnis gebracht: Die große Mehrzahl der Passagiere würden sich durch lautes Telefonieren gestört fühlen.
Telefonate in Lufthansa-Maschinen werden deshalb weiterhin auf die fest installierten Satellitentelefone reduziert. Man plant jedoch eine Breitbandinternetverbindung und E-Mail per Mobilfunk.
Also hat nicht nur der Überflieger ein weiteres Kriterium bei der Auswahl einer Airline: Welche Maschine ist eine handyfreie Zone? Nicht nur wer anderer Meinung ist, kann gerne mit dem Überflieger über dieses Thema diskutieren. Bis nächste Woche grüßt sie recht herzlich ob zu Boden oder über den Wolken
Ihr Überflieger
Post an den Überflieger:
ueberflieger@airline-bewertungen.eu
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