Image-Werte: Eine Ohrfeige für Air Berlin und Lufthansa
Täglich beschäftigt sich der Überflieger mit dem Geschehen rund um das Fliegen. Vor allem Meldungen über die vielen Airlines weltweit, werden gesichtet, sortiert und nach Recherchen auch kommentiert.
Eine dieser Meldungen in der vergangenen Woche lautete: „Air Berlin Trophy in Camp de Mar auf Mallorca mit Boss Joachim Hunold als Gastgeber. Dabei u.a. Schauspielerin Veronica Ferres, TV-Moderator Gerhard Delling und Boris Becker mit Sohn Noah Gabriel, Eric Jelen und Charly Steeb sowie Hockey-Legende Stefan Blöcher.“
Fast gleichzeitig kam folgende Meldung: „Dresdner Bank warnt vor Air-Berlin-Aktien. Analysten sind nicht besonders überzeugt von Joachim Hunolds' Air Berlin.“
Da stellte sich dem Überflieger doch die Frage, wie sich diese zwei so konträren Meldungen wohl auf das Image von Air Berlin auswirken. Auf der einen Seite müssen die Passagiere immer mehr bezahlen, auf der anderen Seite lädt die Airline eine ganze Reihe von Promis nach Mallorca ein, um an einem Golfturnier teilzunehmen. Und die Bilder von Joachim Hunold eingerahmt von Promis in exklusivstem Ambiente gehen durch die Presse.
Da überlegt man doch, wie sich solche Widersprüche auf das Image der Marke Air Berlin auswirken?
Darauf gibt der wöchentliche „BrandIndex“ von Psychonomics seriöse Antworten. Und die Antwort der vergangenen Woche ist eindeutig: Das Image der gesamten Branche ist im Keller, besonders aber das von Air Berlin. Zitat: „Die steigenden Kraftstoffpreise setzen die Fluggesellschaften immer stärker unter Druck. Die Kostensprünge sorgen nicht nur für hohe Ticketpreise, sie gefährden mittlerweile sogar das Geschäftskonzept der Billigflieger. Den Passagieren gefällt das gar nicht.“
Größter Image-Verlierer unter allen Billigfliegern ist Air Berlin. Noch vor zwei Monaten lag die zweitgrößte deutsche Airline mit an der Spitze der Bewertungen, jetzt sanken die Werte letzte Woche auf ein historisches Tief. Die Marke Air Berlin hat letzte Woche den größten Image-Verlust ihrer Geschichte erlebt.
Der Überflieger hat sich einmal die Mühe gemacht, anhand der Air-Berlin-Meldungen der vergangenen Wochen nachzuforschen, wie es zu solchen verheerenden Ergebnissen kommen konnte. Und - wie erwartet - es gibt zahlreiche Gründe dafür: die ständig ansteigenden Kerosin- und Ticketpreise, das Streichen von Flugstrecken, der geplatzte Übernahme-Deal der Condor, der Ablauf der Jahreshauptversammlung in London, das Auftreten und die Statements von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, ein großer Verlust an Glaubwürdigkeit, und dann natürlich die deprimierenden Aussagen der Analysten an den Börsen und der Absturz der Aktienwerte. Auch die „Wahrsagungen“ des Ryanair-Chefs O'Leary vom Ende Air Berlin innerhalb eines Jahres haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Hinzu kommt noch die Ankündigung weiterer Zuschläge ab 1. November für Sportgeräte aller Art sowie der „geheimnisvolle“ Zuschlag „Service-Charge“. Und es gehören solche wie oben erwähnten Events dazu.
Die seit Wochen täglichen Negativ-Meldungen haben wie noch nie zuvor die Meinung der Reisenden geprägt. Im Prinzip ein Image-Verlust, den sich keine Marke, schon gar nicht Air Berlin, leisten kann.
Und überraschend, auch die Lufthansa verliert langsam aber stetig vieles von ihrem bisher so guten Image. Es ist bei weitem nicht so, dass das Lufthansa-Klientel ohne Murren ständig höhere Zuschläge bezahlt. Die Marke Lufthansa ist ebenfalls auf einem historischen Tief angelangt – wobei sie durch die vergangenen und evtl. bevorstehenden Streiks vor allem das Vertrauen in die Zuverlässigkeit verloren hat.
Der Überflieger freut sich sich über diese Ergebnisse und hofft, dass speziell Air Berlin und auch die Lufthansa aufgerüttelt werden, um entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Der Flugreisende muss wieder im Mittelpunkt des täglichen Airline-Geschäfts stehen und nicht nur als Weihnachtsgans gesehen werden, die man unendlich ausnehmen kann. Und diesen Eindruck haben die Fluggäste nicht erst seit gestern.
Auf Zeiten, dass auch in der Luftfahrt der Kunde wieder König ist, hofft Ihr Überflieger.
Post an den Überflieger:
ueberflieger@airline-bewertungen.eu
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