"Don t cry for my Argentina" - aber weinen über Aerolineas Argentinas ist durchaus angebracht
Da haben die spanischen Matadores - gemeint sind die Marsan-Mehrheitseigner der kaputten Aerolíneas Argentinas - der attraktiven Präsidentin Argentiniens, Cristina Kirchner, gegenüber ihren ganzen Charme aufbieten müssen, um die argentinische Airline wieder dem Staat an die Beine zu binden.
18 Jahre haben die spanischen Herren gebraucht, um die einstige Vorzeige-Airline an die Wand zu fahren und einen Schuldenberg von 560 Millionen Euro zu hinterlassen, und diesen übernimmt jetzt der argentinische Staat in Form der Marsans-Aktien. Betroffen hiervon ist auch der Regionalflieger Austral. Marsans hielt bisher 94,91 Prozent der Aktien an Aerolíneas Argentinas und 97 Prozent der Aktien an der Austral.
Cristina Kirchner schickte ihren Transport-Staatssekretär Ricardo Jaime vor die Presse. Die von ihm vorgetragene Begründung erinnerte sehr an das Dilemma der italienischen Alitalia und das Versprechen von Berlusconi, Alitalia müsse in italienischer Hand bleiben. Jaime sagte: „Dies ist ein wichtiger Schritt, um die nationale Fluglinie wieder in den Dienst der Argentinier und der nationalen Wirtschaft zu stellen.“
Da stellen sich den Analysten an den Börsen die Haare zu Berge: Die Verstaatlichung einer Airline widerspricht deren Ansicht nach allen Spielregeln des freien Marktes. Die Frage ist jedoch, welche Alternative gab es? Keine! Etwa die Hälfte aller Flugzeuge von Aerolínea stehen wegen finanzieller und organisatorischer Probleme ungenutzt am Boden. Tatsache ist auch, dass man kurz davor stand, auch noch die andere Hälfte am Boden lassen zu müssen. Die Auswirkungen für die Argentinier wären katastrophal gewesen, bedienen Aerolínea und Austral doch über 80 Prozent des innerargentinischen Flugverkehrs.
Um wenigstens die wichtigsten Flugrouten aufrecht zu erhalten, pumpte die Regierung im Schnellschuss-Verfahren elf Millionen Euro in die Airline. In Argentinien kein Problem, man muss ja auf keine EU-Vorgaben Rücksicht nehmen, wie beispielsweise die Alitalia.
Die Probleme sind riesig: Im ersten Halbjahr 2008 flog man etwa 63 Millionen Euro neue Schulden ein, Pünktlichkeit ist zu einem Fremdwort verkommen, und die Gewerkschaften streiken mehr als sonst irgendwo.
Doch Geld alleine löst die Probleme nicht. Jaime erwähnte nichts von einem Sanierungsprogramm, das so dringend notwendig wäre. So bleibt völlig offen, wohin die Reise von Aerolínea letztendlich geht.
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