Jet2.com lässt in Lübeck-Blankensee Träume platzen
Es ist noch keine zwei Monate her, als Lübecks Flughafen-Chef Johannes Scharnberg sich vor Freude kaum noch halten konnte, als der Billigflieger Jet2.com die Route von Lübeck nach Leeds eröffnete. Doch die Freude ist zwischenzeitlich großer Enttäuschung gewichen, als Scharnberg beim Studium des Winterflugplans feststellte, dass diese Strecke ohne Vorankündigung komplett gestrichen wurde.
Seine Sorge gilt nun dem Sommer 2009. Würde die Strecke auch dann nicht mehr geflogen, wäre dies zumindest ein kleiner Rückschlag für den Flughafen. Erinnert sei an die euphorischen Worte des zweiten Geschäftsführers des Flughafens vor gerade Mal acht Wochen: „Jet2.com hier in Lübeck als neue Airline begrüßen zu können, ist ein großartiger Erfolg für den Flughafen Lübeck. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die neue Verbindung von den Passagieren sehr gut angenommen wird.“
Als die attraktive Jet2.com-Managerin Rachel Farr vor einer Woche verkündete, dass man bis Oktober 2008 mit 30.000 Fluggästen rechne, schwebten die Lufthafen-Verantwortlichen auf Wolke sieben. Umso größer war jetzt die Enttäuschung.
Bei genauerem Hinsehen stellt man aber schnell fest, dass die Probleme von Jet2.com hausgemacht sind, denn die Fluggeräte sind die ältesten aller Billigflieger und somit auch gnadenlose Spritfesser. Deshalb ist Jet2.com auch eine der meist gefährdeten Airlines überhaupt – die Kerosinkosten sind mit dieser alten Flotte kaum zu decken.
Dass man auf das Gerede der Jet2.com-Manager nicht viel geben kann zeigt die Aussage des Airline-Chefs Philipp Meeson: „ Jet2.com wird die Zeit der hohen Ölpreise gut überstehen. Wir haben das Kerosin schon vor Monaten noch zu günstigen Preisen eingekauft!“ Und prompt sind die hohen Spritpreise der Grund für die Streckenstilllegung.
Der Zweckoptimismus von Johannes Scharnberg ist ungebrochen, denn einen weiteren Streckenabbau sieht er überhaupt nicht. Alleine durch Ryanair und Wizz Air erwartet er eine Erhöhung der Passagierzahlen um 20 Prozent. Zu gönnen wäre es ihm, wenn dies so eintreten würde. Er sollte jedoch nie vergessen, dass er mit Ryanair einen eher unberechenbaren Partner an seiner Seite hat. Ryanair-Chef O´Leary ist wegen seiner oft spontanen Kurswechsel mehr als berüchtigt.
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