United Airlines und Continental – Elefantenhochzeit ohne kirchlichen Segen
Wie ein Orkan fegte die Meldung der jetzt kooperierenden US-Airlines über die Ticker der Agenturen, waren doch erst vor wenigen Tagen die Fusions-Verhandlungen gescheitert. Die gesamte Presse vermittelte den Eindruck, dass die bereits tot gesagten nun doch länger leben. Vor allem, dass jetzt auch Continental der mächtigen Star Alliance beitritt, wird heftigst gefeiert.
Nach dem Passagieraufkommen ist United Airlines immerhin die Nummer zwei am US-Himmel und Continental immerhin an vierter Stelle. Deshalb ist die jetzige Kooperation ähnlich einer Elefantenhochzeit ohne kirchlichen Segen.
Die Zusammenarbeit soll in beiden Unternehmen Synergien frei setzen, finanzielle Risiken minimieren und vor allem Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften ersparen. Doch die schon jetzt gefeierte Kooperation ist noch nicht in trockenen Tüchern, denn es fehlt vor allem noch die Zustimmung der immer für eine Überraschung guten US-Aufsichtsbehörde.
Die Freude, dass nun auch Continental zur Star Alliance wechselt schwappte über den Atlantik bis in die Lufthansa-Zentrale nach Frankfurt. Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky konnte vor lauter Freude kaum noch gebremst werden. Seine Aufzählung, inwieweit seine Airline davon profitiert, wollte kein Ende nehmen. Im Vordergrund seiner Freudensprünge standen dabei zwei neue Drehkreuze in Houston und Newark.
Allerdings ist der Wechsel von Continental von Skyteam zur konkurrierenden Star Alliance nicht umsonst zu haben. In der Regel werden hier Millionen von US-Dollar notwendig sein. Wie man diesen Wechsel letztendlich auch finanziert, bleibt noch das Geheimnis der Manager, fliegen doch beide Airlines nur noch in die Miesen – ohne Aussicht auf Besserung, und an den amerikanischen Börsen befinden sich beide Aktienkurse sowieso im absoluten Tiefflug.
Gemeinsam will man nun versuchen, die finanzielle Misere wenigsten etwas abzuschwächen: Ausdünnung des inneramerikanischen Streckennetzes und die Entlassung von einigen Tausend Mitarbeitern. Hauptaugenmerk soll nun auf Transatlantikflüge gelegt werden, und schon hat die Lufthansa zwei Konkurrenten mehr! Ist auch das ein Grund zur Freude?
Aber die Probleme der beiden US-Airlines stecken viel tiefer. Darüber redet man nicht gerne, wenn man nur gute Nachrichten verbreiten möchte. Das Image beider Fluggesellschaften ist in Amerika so schlecht wie noch nie. Einmal wegen der neuen Gepäckzuschläge, denn ab 17. August verlangt United Airlines für ersten Koffer 15 US-Dollar, ab dem dritten Gepäckstück sogar zwischen 125 und 250 US-Dollar, das sind bis zu 161 Euro für eine Strecke. Continental verlangt für weiteres Gepäck über der Freigrenze 150 Dollar (etwa 95 Euro) pro Strecke und Stück. Noch gelten diese Gebühren nur für Flüge innerhalb der USA, aber sicher nicht mehr lange.
Der hohe Imageverlust hat aber auch noch ganz andere Ursachen, die vor allem im Servicebereich liegen: Bei 1000 Passagiere verschwinden im Durchschnitt sieben Gepäckstücke im Nirwana. Um 13 Prozent stieg die Zahl der Passagiere, die aufgrund überbuchter Maschinen am Boden bleiben mussten, und die Pünktlichkeit ging im fünften Jahr in Folge weiter zurück, denn mehr als 25 Prozent aller Flüge hatten Verspätung. Und noch schlimmer dürfte die Nachricht sein, dass gleich drei Billigairlines (AirTran, JetBlue und Southwest) wesentlich besser bewertet werden. So wundert es nicht, dass bei United Airlines und Continental die Anzahl von Beschwerden der Gäste um etwa 50 Prozent zugenommen hat. Ein Großteil dieser Beschwerden bezieht sich auf einen miserablen Service in der Luft und gar auf verschmutzte Kabinen und schlechte Verpflegung – alles Auswirkungen der eingeleiteten Sparmaßnahmen.
Das allergrößte Problem ergibt sich aber im Bereich der Flugsicherheit, das jedoch fast alle amerikanischen Fluggesellschaften betrifft: So viele Maschinen wie noch nie in der Geschichte der US-Luftfahrt mussten wegen nicht bestandener Sicherheitsprüfungen am Boden bleiben.
Alleine im Mai verhängten die Kontrollbehörden Strafen von über 6,5 Millionen Euro wegen nicht eingehaltener Sicherheitsvorschriften. Hauptsächlich betroffen war auch United Airlines. Geht man davon aus, dass es bei den Inspektionen auch eine Dunkelziffer der nicht erkannten Probleme gibt, dann ist das mehr als bedenklich.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kooperation zwischen United Airlines und Continental viel kritischer gesehen werden muss, als allgemein vermutet – ein Blick hinter die Kulissen wäre auch der jubelnden Lufthansa zu empfehlen.
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