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Airline News Air Berlin




04.06.2010 21:29 Uhr
» Übersicht » Airlines » Air Berlin
Air Berlin / Joachim Hunold: CEO mit einem Weltbild von vorgestern
Die Hauspostille von Air-Berlin-CEO Hunold, das „airberlin-magazin“, beginnt immer mit dem Editorial, wo Joachim Hunold den Menschen die Welt erklären will. Hier kann er seine Weisheiten verbreiten, die zeigen wie tief konservativ sein Weltbild ist, aber auch, dass er nicht bereit ist, andere Meinungen zumindest zu akzeptieren.

Hunold schimpft über die Deutschen
In der neuesten Ausgabe seines Magazins hat er sich die Mentalität der Deutschen vorgenommen, die ihm gar nicht passt, die er geradezu verflucht – auch die, die ihm die Kassen füllen. Ein Satz zeigt dies in aller Deutlichkeit: „Wir (gemeint sind die Deutschen d.R.) jammern beim kleinsten Wehwehchen und sind gnadenlos bereit, alles und jeden zu skandalisieren.“ Alleine mit diesem Satz führt er sich allerdings selbst ad absurdum. Er jammert auch darüber, dass man beispielsweise Helmut Kohl nicht die notwendige Ehre erweist, ja er versteigt sich sogar soweit, dass er Kohls Parteispendenaffäre als eine Bagatelle in dessen Leistungsvergleich darstellt.

Freude über Köhlers Abgang
Doch seine Aussage, dass wir Deutschen beim kleinsten Wehwehchen jammern würden, wurde schnell zum Bumerang, denn mit seiner absolut harschen Kritik am Ex-Bundespräsidenten Köhler über dessen Aussagen zur zivilen Luftfahrt hat er ein klassisches Eigentor geschossen.

Beim Weltverkehrsforum in Leipzig hatte Ex-Bundespräsident Köhler ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik gefordert. Der Transportsektor müsse zu einer „Kostenwahrheit" finden, um zu umweltfreundlicheren Lösungen zu gelangen. Köhler plädierte dafür, über ein Ende der Steuerbefreiung von Kerosin und Schiffstreibstoff nachzudenken.

Jammern gehört zu Hunolds Tagesgeschäft
Hunold bewies daraufhin, dass auf ihn selbst seine obige Aussage über die jammernden Deutschen punktgenau zutrifft. Sein Jammern wegen der Aschewolke und den Flugverboten ist ein weiteres Beispiel. Er vertritt unter anderem die These, dass es ungerecht sei, dass die Fluggesellschaften die Kosten dieser Naturkatastrophe alleine tragen müssen. Also er will EU-Gelder!
Eine solche Forderung könnten auch alle Gastwirte aufstellen, die durch ein miserables Frühjahrswetter gewaltige Umsatzeinbußen verzeichneten, da sie ihre Biergärten nicht öffnen konnten.

Hunolds Brief an Köhler
Doch zurück zum Brief an den ehemaligen Bundespräsidenten. In einem vierseitigen Brief von ungewöhnlicher Schärfe hält Air-Berlin-Chef Joachim Hunold dem Bundespräsidenten u. a. „Polemik“ vor, da dieser auch die Niedrigpreise von Air Berlin kritisierte. Hunold verweist darauf, dass der Luftverkehr in Deutschland dem Staat (anders als die Bahn) keine Kosten verursachen, sondern 3,3 Mrd. Euro Steuern und Entgelte bezahlen. Weiterhin würden die Airlines nachweislich strikt auf Wirtschaftlichkeit, sparsamen Ressourcenverbrauch und Umweltschutz achten. Darum erscheine es „grotesk“, wenn Köhler von der Branche „mehr Nachhaltigkeit“ verlange.

Hunolds Triumph
Nun kann Hunold triumphieren, auch durch sein Zutun ist Köhler weg, und Hunold hofft, dass Köhlers Nachfolger sich von solchen Äußerungen distanziert.

Bezeichnend ist jedoch, dass der Chef von Deutschlands zweitgrößter Airline auch einem Bundespräsidenten gegenüber als Besserwisser auftritt, so wie er es in der jüngsten Vergangenheit grundsätzlich gegenüber anderen Institutionen (beispielsweise Flugsicherung) getan hat.

Hunolds entlarvenden Text im Editorial seines hauseigenen Magazins kann man unter http://www.airberlin.com/jumppages/magazin.php nachlesen.




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Kommentare

bisher 2 Kommentare

am 07.06.2010 11:59 Uhr von Mat
  Kritik an der Kritik
Der Autor dieses Artikels ist mit hochwertigem qualitativem Journalismus bislang nicht aufgefallen. Hingegen kritisiert er eine Form der Kolumne, das Editorial welches alleine schon durch seine Definition eine sehr subjektive emotionale Meinung seines Autors zulässt. In einem Editorial geht es nicht darum konsequent eine Logik einzuhalten, sondern darum persönliche Empfindung zum Ausdruck zu bringen.

Daher empfinde ich die die hier gelesene Kritik weniger an Herrn Hunold selbst, sondern an der Art des Journalismus. In einem Editorial weist der Autor für gewöhnlich auch auf Missstände hin. Würde er das nicht tun wäre diese Form des Journalismus ad absurdum geführt.

Und ja, wir Deuschen sind ein Volk der Jammerer, Nörgler und Schwarzmaler. Da Herr Hunold Deutscher ist und sehr durch die deutsche Kultur geprägt wurde kann er sich dem ganzen kaum entziehen! Etwas beobachte und es dann auch tatsächlich ändern sind zwei paar Schuhe. ;)


am 24.06.2010 16:03 Uhr von Boris Bogunovic
  zum Thema "Hunolds Weltbild"
Auch ich durfte mich schon mehrmals bei meinen Air-Berlin-Flügen an den Texten und dem seltsamen Weltbild dieses egozentrischen Airlinechesfs ergötzen. Der Menn traktiert regelmäßig und ungefragt seine fliegende Kundschaft mit seinem, wie oben ziemlich passend geschrieben wurde,"vorgestrigem" Weltbild ohne, dass man die Möglichkeit hat, auf diesen Unsinn, den er da manchmal von sich gibt, etwas entgegnen zu können. Helmut Kohls 80. Geburtstag wäre angeblich nur wegen "eines" Fehler von den öffnetl.-rechtl. Sendern negiert worden. Was für ein Unsinn. Zunächst mal hatte dieser Fehler einen zweiten zur Folge. Kohl weigerte und weigert sich nach wie vor, die Spender im Spendenskandal zu nennen. Kohl hat sich damit über das Gesetz gestellt. Ein unverzeihlicher Fehler in diesem Land. Des weiteren ist dieser Politiker, wenn es sein mußte, über "Leichen gegangen". Gescheiterte Politikerkarrieren, gedemütigte Parteifreunde und zurechtgestutzte Andersdenkende pflastern den Weg dieses Politikers. Von der Bitburgrede und anderen Peinlichkeiten will ich hier erst gar nicht anfangen. Ich habe schlicht keine Zeit dafür. Nur noch eins. Der Mann kann dankbar sein, dass ihm wenigstens die BILD die Seite eins zum 80. gewidmet hat. Das ist der Ehre genug für diesen Mann, der mit der Deutschen Einheit nur so viel zu tun hat, als dass er damals zufällig Bundeskanzler war. Die Einlassungen von Herrn Hunold sind vor diesem Hintergrund geradzu lachhaft.

Boris Bogunovic.


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