Liebe Freunde der zivilen Luftfahrt,
über die Aschewolke ist und wird so viel geschrieben und gesendet, weshalb der Überflieger heute dieses Thema nur am Rande behandeln wird und einen Blick nach Russland wirft.
Russland ist spannend und vor allem anders
Der Überflieger hat viele Kontakte nach Russland, auch zu Menschen, die sich intensiv mit der Luftfahrt befassen. Deshalb hat der Überflieger einen ziemlich guten Überblick, was sich rund um die Airlines und Flughäfen in Russland so tut. Und es ist auch für uns Deutsche wirklich spannend, interessant und zum Teil auch kurios. Kurios soll das erste Stichwort sein, aber auch Kopfschütteln ist erlaubt.
Kleinflugzeug rammt Traktor
„Tatort“ Kaukasus: Der Pilot einer kleinen Maschine hatte nahe der Stadt Stawopol völlig die Orientierung verloren. Da erinnerte er sich, dass man am Boden immer nach dem Weg fragen kann. Er sah einen Bauern beim Pflügen eines Ackers und entschloss sich, neben dem Bauern zu landen, um ihn zu fragen, wo er eigentlich sei.
Doch die Landung ging total in die Hose, denn er stieß mit dem Traktor des Bauern zusammen, welcher sich nur durch einen Sprung aus seinem Sitz retten konnte. Der Pilot wurde nur leicht verletzt, musste sich allerdings einem Alkoholtest unterziehen, der natürlich positiv ausfiel.
Den Russen ist die Aschewolke egal
Staunend schaute das westliche Airline-Europa auf Russland. Innerhalb Russlands wurde geflogen, als gäbe es die Aschewolke nicht. Die russischen Airlines und auch die Luftfahrtbehörden sahen und sehen in der Wolke kein Risiko, obwohl diese den sibirischen Fluss Jenissej überschritten hatte und auch Russlands Fernen Osten erreichte.
Selbst die zwischenzeitlich eingestellten Flüge in die Ostsee-Exklave Kaliningrad wurden wieder aufgenommen, obwohl die Nachbarflughäfen Warschau, Vilnius und Riga keine Flüge mehr abfertigen.
Auch dem Präsidenten Dmitri Medwedew ist die Aschewolke egal
Unbeeindruckt von der Wolke landete auch die Präsidentenmaschine von Dmitri Medwedew am Sonntag in Polen zur Beerdigung von Polens verunglücktem Präsidenten Lech Kaczynski. Zur gleichen Zeit saßen in Berlin rund 2000 russische Touristen fest, die nicht nach Russland zurückfliegen konnten.
Wladimir Putins unbürokratisches Handeln
Jetzt wird es aber interessant: Ministerpräsident Wladimir Putin hat sich persönlich dem Schicksal seiner Landsleute angenommen und das Verkehrsministerium angewiesen, Gestrandete Russen von Berlin mit dem Bus nach Kaliningrad zu fahren und von dort mit dem Flugzeug nach Moskau zu bringen. Und dies, obwohl alle Flughäfen rund um die Exklave Kaliningrad geschlossen waren. Ob es nun extremes Selbstbewusstsein war, womöglich realistischere Erkenntnisse oder unverantwortliches Handeln, der Überflieger weiß es auch nicht.
Doch Putin hat noch mehr getan: Er wies das Außenministerium an, allen europäischen Touristen, die auf russischen Flughäfen feststecken unbürokratisch die Visa zu verlängern. Gesagt und auch getan. Die deutschen Behörden konnten sich zu einem solchen Schritt nicht entschließen und ließen 700 Transitpassagiere ohne Visa tagelang auf dem Frankfurter Flughafen sitzen.
Flugverbot trifft auch Aeroflot
Natürlich hat das Flugverbot über Europa auch Russland getroffen. Allein die Aeroflot musste Hunderte Flüge nach Europa streichen. Eine Aeroflot-Maschine auf dem Weg nach Bulgarien musste sogar umkehren, weil sie keine Landeerlaubnis in Sofia bekam.
Unterschiedlicher kann man auf die Aschewolke nicht reagieren. Da in Russland alles gut ging, warum auch immer, sieht man sich als die Gewinner. Vielleicht auch nicht zu Unrecht.
Russlands Fluglotsen im sogenannten Hungerstreik
Die Russen ticken einfach anders, nicht nur was den Umgang mit der Aschewolke betrifft, sondern auch was ihre Maßnahmen betrifft, um beispielsweise mehr Lohn zu fordern.
In ganz Russland sind die Fluglotsen in einen Hungerstreik getreten, um ihrer Forderung nach mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Wer aber glaubt, dass dadurch der Flugbetrieb lahm gelegt wird, hat sich in den Russen getäuscht. Radsch Fajasow, Vorsitzender der Petersburger Fluglotsengewerkschaft, erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax: „Die Fluglotsen werden in der arbeitsfreien Zeit hungern und vor Arbeitsantritt essen. Aber dabei ist es nicht verboten, nach der Arbeit zu essen. Unser Ziel ist es nicht, den Flugverkehr einzuschränken!“ Ja, auch so kann man gegen die Nichteinhaltung einer versprochenen Gehaltserhöhung und den Wegfall von Vergünstigungen protestieren.
Es sei noch erwähnt, dass deutsche Fluglotsen nach dieser Philosophie im Dauer-Hungerstreik sind, denn ihnen ist es sowieso untersagt, während ihrer Arbeit im Tower ihr Vesperbrot auszupacken.
Der Überflieger hofft, dass er seinen Lesern einen kleinen, ja nur winzig kleinen Einblick in die russische Welt der Luftfahrt geben konnte.
Trotz Vulkan, trotz Asche und vielen profilierungssüchtigen Politikern und Airline-Managern hofft mit Ihnen allen, dass bald wieder Normalität am Himmel Europas einkehrt
Ihr Überflieger
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zum Thema: Die andere Welt der russischen Luftfahrt
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