Jet Airways: Indiens Airlines stehen vor einem Scherbenhaufen
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Indien scheinen ungebremst. Indien, Vorzeigestaat einer aufstrebenden Industrienation und immer wichtiger werdendes Exportland. Vor allem deshalb sind es Geschäftsreisende, die bereits ihre Erfahrungen im indischen Luftraum gesammelt haben.
Doch der Reihe nach: Fast mit Lichtgeschwindigkeit schossen in Indien neue Fluggesellschaften aus dem Boden. International wurde dies als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs bewertet. Die Zunahme des Luftverkehrs wurde auch als Grund aufgeführt, warum die Wartezeiten im Luftraum vor der Landung so groß waren. Doch damit haben sich alle blenden lassen, denn die Weiterentwicklung der Flughafen-Infrastrukturen wurden sträflich vernachlässigt.
Die Linienflieger und die Billiganbieter unterboten sich fast täglich mit neuen Tiefpreisen. Das Fliegen wurde so zu einer echten Alternative zur traditionellen Eisenbahn. Und da nahmen alle, auch die europäischen Airlines, lange Wartezeiten in der Luft gerne in Kauf, sahen sie doch nur den wachsenden Markt. Doch plötzlich platzte diese Seifenblase, als die Ölpreise in die Höhe schossen und die internationalen Fluggesellschaften auf die Verkürzung der Zeiten in der Warteschleife drangen, denn diese Kosten konnte sich keine Airline mehr leisten – auch keine indische.
Den Indern blieb gar nichts anderes übrig, als eine Kehrtwende mit ihrer
Preispolitik zu vollziehen und kräftige Preiserhöhungen vorzunehmen – mit einem verheerenden Ergebnis. Noch zu Jahresbeginn hatte die „Air Passengers-Association of India“ für das laufende Jahr ein Wachstum von grandiosen 28 Prozent vorhergesagt, vor einigen Tagen jedoch auf optimistisch gerechnete sechs Prozent reduziert.
Naresh Goyal, Chef der größten Privat-Airline Indiens, Jet Airways, rechnet mit einem Verlust im Jahre 2008 von mindestens zwei Milliarden Dollar aller indischen Airlines. Die indischen Fluggesellschaften kalkulieren zwischenzeitlich mit Kerosinkosten von weit über 50 Prozent, das ist weltweit absolute Spitze.
Innerhalb weniger Monate haben die drei größten Fluggesellschaften Indiens Jet Airways, Air India und Kingfisher Airlines kontinuierlich ihre Preise erhöht. Der vorläufige Höhepunkt war vor einigen Tagen, als man die sowieso schon hohen Preise noch einmal um 19 Prozent erhöht hat. Profitiert davon haben die indischen Eisenbahngesellschaften, denn offensichtlich sind viele Reisende wieder zur Bahn gewechselt.
Und für diese Entwicklung geradezu Gift sind die ständig steigenden Flughafengebühren, die zwischenzeitlich zu einem echten Problem geworden sind, aber mit diesen Gebühren sollen die Baukosten für neue Flughäfen wieder eingespielt werden. Mitten in diese Turbulenzen fallen zwei weitere neue hoch moderne Flughäfen: Hyderabad und Bangalore und es folgen in Kürze Mumbai und Delhi. Analysten erwarten jetzt, dass in absehbarer Zeit in Indien ein umfangreiches Airline-Sterben einsetzen werde.
Reisende nach Indien müssen deshalb weiterhin mit Problemen rechnen, vor allem mit Anschlussflügen innerhalb Indiens – und mit Preisen, die heute schon über den recht hohen europäischen liegen werden.
Sind Sie mit Jet Airways geflogen?
Kommentare
bisher 0 Kommentare
Kommentar abgeben
zum Thema: Jet Airways: Indiens Airlines stehen vor einem Scherbenhaufen
Bitte geben Sie eine gültige Email an, denn Sie bekommen eine Bestätigungsmail für Ihren Kommentar. Ihre Email Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben und Sie erhalten auch keine weiteren Mails von uns. Kommentare mit einer ungültigen Mail können wir leider nicht frei schalten.