Lufthansa: Endet der Tarifkonflikt mit noch mehr Gehalt? (Teil 1)
Ist die Pilotenvereinigung Cockpit käuflich? Oder ist mehr Geld für die Lufthansa das kleinere Übel. Auf jeden Fall verhandeln beide Parteien wieder – allerdings unter völlig neuen Vorzeichen.
Abschied von größerem Einfluss
Doch die Gespräche werden sich wohl nur um Gehälter drehen – und nicht mehr um die Konzernstrategie, also um eine Mitbestimmung der Gewerkschaft über die Politik der Lufthansa. Von dieser Forderung hat sich Cockpit offiziell vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt verabschiedet.
Dies war der Preis eines Kompromisses, der vor der pfiffigen Arbeitsrichterin gefunden wurde.
Und die Gegenleistung der Lufthansa?
So klar ist dies noch gar nicht. In den Vorstandsetagen klopft man sich wohl heute noch auf die Schultern, dass der ganz große Schaden abgewendet werden konnte. Welcher Schaden aber durch den eintägigen Streik entstanden ist, wird sich wohl erst noch zeigen, aber man hört noch heute das Aufatmen der Republik, dass nun wieder planmäßig geflogen wird.
Warum gab es keinen öffentlichen Rückhalt?
Wie bei allen Streiks im öffentlichen Dienst, leiden dann vor allem die Bevölkerung und Teile der Wirtschaft. Beim Streik der Lokführer war dies nicht anders. Streik ist, das sollte man nicht vergessen, auch für Gewerkschaften immer das letzte Mittel. Und in keiner anderen Branche gibt es für einen Streik so wenig Verständnis der Öffentlichkeit. Das hat auch Cockpit brutal zu spüren bekommen.
Das Problem von Cockpit war aber auch, dass sich die meisten Medien auf eine alte Forderung von 6,4 Prozent mehr Lohn berufen haben und die Gehälter der Piloten als zu hoch angeprangert haben.
Vermutlich etwas mehr Gehalt
Der Erfolg der Lufthansa „nur“ noch über Gehaltsforderungen verhandeln zu müssen, ist in der Tat ein großer. So wird man sich innerhalb der insgesamt zweiwöchigen Friedenspflicht wohl auf eine eher moderate Gehaltserhöhung einigen.
Cockpits Position ist schwächer denn je
„Wo Lufthansa draufsteht, muss Lufthansa drin sein.“ Dies war auf Schildern beim Streikbeginn der Piloten zu lesen. Und diese Forderung wird vermutlich auch langfristig bestehen bleiben. Doch nach heutigem Stand wird es wohl noch lange eine Forderung bleiben. Die Position von Cockpit ist durch den abgebrochenen Streik doch geschwächt worden.
Der Streit um „Lufthansa Italia“
Noch kann man sich auf eine Vereinbarung berufen, die die Piloten vor einer Auslagerung von Jobs in regionale Billigfluggesellschaften schützt. Doch nach wie vor befürchtet man, dass einzelne Töchter gegeneinander ausgespielt werden. Dies gilt vor allem für die „Lufthansa Italia“ und „Germanwings“, denn Piloten der italienischen Tochterwerden schon jetzt wesentlich schlechter bezahlt als die Piloten der Mutter.
(Fortsetzung folgt)
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