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18.02.2010 12:48 Uhr
» Übersicht » Airlines » Lufthansa
Lufthansa: Ein Streiktag kostet rund zehn Millionen Euro
Vier Tage Streik, mit einer solch massiven Antwort der Piloten hatte wohl niemand gerechnet. Im ARD-Morgenmagazin bezeichnete heute Morgen Börsenreporter Michael Immel den Arbeitskampf als Luxusstreik. Was für eine Fehleinschätzung, denn die Ursache des Streiks ist grundsätzlicher Art, und vielleicht sind die Piloten nur die Vorreiter einer größeren Auseinandersetzung auch in anderen Bereichen.

Verlagerung von Arbeitsplätzen zu schlechteren Konditionen
Thomas von Sturm, Sprecher der VC-Tarifkommission, wirft der Lufthansa vor, bestehende Tarifverträge verletzt zu haben und – das ist wohl der wichtigste Punkt - zunehmend etablierte Arbeitsplätze in billigere Konzerngesellschaften zu verlagern und auf traditionellen Lufthansa-Strecken zunehmend Maschinen von „Brussels Airlines“ oder „Austrian Airlines“ einzusetzen. Piloten dieser Airlines verdienen bis zu einem Viertel weniger als ihre Lufthansa-Kollegen.

Sichere Arbeitsplätze statt höherem Gehalt
Cockpit hatte die Tarifverhandlungen bereits im Dezember 2009 für gescheitert erklärt und 6,4 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert. Was jedoch auch Michael Immel unterschlagen hat: Cockpit schloss eine Nullrunde als Gegenleistung für eine Arbeitsplatzgarantie nicht aus.

Diese Methode macht Schule
Die Auslagerung von Stamm-Arbeitsplätzen in Billiglohn-Firmen hat Methode. Man erinnere sich nur an den Skandal bei Schlecker vor einigen Wochen, als man Mitarbeiterinnen entlassen hat, um sie in einer neu gegründeten Firma zu unwürdigen Bedingungen wieder einzustellen. Oder die Verlagerung des Baus der C-Klasse bei Daimler von Sindelfingen nach Bremen und in die USA. Beispiele gibt es noch viele mehr.

Alles andere als ein Luxusstreik
So sind die Piloten der Lufthansa vielleicht nur Vorreiter in Sachen Arbeitsplatzsicherung und Besitzstandswahrung – und das ist alles andere als ein Luxusstreik. Sicher werden die Piloten der Lufthansa gut bezahlt, doch was ist daran verwerflich? Cockpit hat eindeutig signalisiert, dass man mit einer Nullrunde bei den Gehältern einverstanden sei, wenn die Lufthansa Garantien für die Arbeitsplätze gibt.
Mit einer solchen Strategie steht Cockpit nicht alleine, denn auch die IG Metall geht erstmals in ihrer Geschichte ohne konkrete Lohnforderung in die bevorstehen Verhandlungen und will vor allem eine Arbeitsplatzgarantie, die man zum Beispiel vorgestern bei VW für 90.000 Mitarbeiter vereinbart hat.

Lufthansa blockiert Verhandlungen
Seit Jahren, wirklich seit Jahren kommen die Verhandlungen über einen Manteltarif bei der Lufthansa keinen Schritt voran, und seit Sommer 2009 sind die Lohnverhandlungen ins Stocken geraten, obwohl die Piloten wie erwähnt eine Nullrunde angeboten haben. Und das nicht ohne Grund, denn hatte man früher zeitweise auch zweistellige Forderungen gestellt, wissen Sie genau, in welch schwierigem Fahrwasser sich die Lufthansa bewegt.

Auch deshalb haben sie eine Gehaltserhöhung hinten angestellt und die Sicherung ihrer Arbeitsplätze als vorrangige Forderung erklärt.
Gefragt ist Bewegung! Denn einen täglichen Verlust von rund zehn Millionen Euro steckt auch die Lufthansa nicht so locker weg.




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