Die Geschäftsmodelle von Billig- und Linienfliegern verschmelzen (Teil 2)
Die neuen Strategien sind allerdings mit nicht wenigen Risiken verbunden.
Sollte beispielsweise der sogenannte Billigflieger Ryanair tatsächlich seine Preise erhöhen, würde der Airline ihr wichtigstes Verkaufsargument verloren gehen und sich mehr denn je den Preisen der Linienflieger annähern. Die Linienflieger wiederum riskieren, dass es ihr Klientel nicht akzeptiert, plötzlich für Leistungen extra bezahlen zu müssen, die bisher im Ticketpreis enthalten waren.
Air France/KLM knickte ein
Diese Erfahrung musste vor etwa einer Woche Air France/KLM machen, als praktisch innerhalb von Stunden eine angedachte neue Geldquelle durch Proteste zum Versiegen gebracht wurde. Air France/KLM plante, dass Passagiere mit Übergewicht verpflichtend zwei Sitzplätze kaufen müssen. Nun gab man in Paris bekannt, dass dies auch weiterhin nur auf freiwilliger Basis möglich sein wird.
„À-la-carte-Pricing“ als letzter Ausweg aus der Krise?
Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass es für die Linienflieger alles andere als einfach sein wird, mit „À-la-carte-Pricing“ aus den roten Zahlen zu kommen. Man sollte sich wohl besser anderen Möglichkeiten zuwenden, um den Umsatz zu steigern und Kosten zu reduzieren.
Trotz der Air France/KLM-Erfahrung wird in den Chefetagen aller Airlines hektisch daran gearbeitet, „À-la-carte-Pricing“ salonfähig zu machen – wohl wissend dass man sich damit auf dünnes Eis begibt. Sollte sich diese Strategie durchsetzen, wäre der Unterschied zu den sogenannten Billigfliegern kaum noch darstellbar.
Aber was tun?
Die IATA berechnete, dass die Fluggesellschaften 2010 weltweit weit über fünf Milliarden Dollar Verluste einfliegen werden. Doch von solch katastrophalen Zahlen bleiben auch die sogenannten Billigflieger nicht verschont. Ryanair raste im abgelaufenen Quartal mit etwa elf Millionen Euro in die roten Zahlen und begründete dies mit mit dem Preisverfall der Tickets. Das Dilemma lässt sich an einigen Zahlen darstellen: Zwar konnte man wegen der billigen Tickets die Passagierzahlen im Vergleichszeitraum um 14 Prozent steigern, aber der Umsatz von 612 Millionen Euro blieb beinahe unverändert.
Fazit
Egal ob Linienflieger oder Billiganbieter, durch Preiserhöhungen alleine wird man nicht aus der Krise fliegen. Man wird sich mehr denn je darauf konzentrieren, jede auch noch so kleine Serviceleistung bezahlen zu lassen und deshalb die Serviceangebote auszuweiten. Die Zeiten, dass mit dem Kauf eines Flugtickets auch der gesamte Service inklusive ist, sind vorbei. Dass dies versteckte Preiserhöhungen sind, werden die Airlines nicht mehr bestreiten können.
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