Die Geschäftsmodelle von Billig- und Linienfliegern verschmelzen (Teil 1)
Die Krise der Luftfahrt ist noch lange nicht zu Ende, aber so dramatisch, wie es Ryanair-CEO O'Leary vorhergesagt hat ist es lange nicht gekommen. Das von ihm prophezeite Horrorszenarium, dass nur wenige Airlines diesen Winter überleben werden, war natürlich nur einmal mehr ein Versuch, um Schlagzeilen zu machen, und zwar wider besseren Wissens.
Die Airlines stellen sich neu auf
Und doch sind die Airlines weltweit dabei, sich neu aufzustellen. Nicht nur durch zum Teil spektakuläre Einsparmaßnahmen, sondern auch durch völlig neue Geschäftsideen und Philosophien. Waren bis zum Beginn der Krise die meisten Fluggesellschaften praktisch Selbstläufer mit jährlichen Wachstumsraten, sind heute alle dabei, sich um Schadensbegrenzung zu bemühen.
Geschäftsmodelle nähern sich an
Wer die Bemühungen einzelner Airlines einmal näher betrachtet wird feststellen, dass sich die Geschäftsmodelle aller Fluggesellschaften, egal ob sogenannte Billigflieger oder Linienflieger, immer mehr angleichen. Vor allem wenn es um Maßnahmen für Einsparungen geht und damit verbunden eine grenzenlos erscheinende Kreativität um Verluste in Grenzen zu halten.
Serviceleistungen, die einst selbstverständlich im Flugpreis beinhaltet waren, müssen heute bezahlt werden oder wurden ganz gestrichen.
Interessant ist auch, dass praktisch nur noch einige wenige Airlines wie beispielsweise „Emirates“ auf Wachstum setzen.
Wachstum als Allheilmittel?
Hier hat ein radikales Umdenken begonnen – und das einstige Zauberwort Wachstum wurde durch Gewinnoptimierung ersetzt. Zwei Beispiele für viele:
So wird die Lufthansa auf Kosten der Beinfreiheit ihr Sitzplatzangebot in diversen Maschinen erweitern, und Ryanair verzichtet auf den Kauf von 200 Boeing-Maschinen, was ein Ende des Expansionsbestreben bedeutet.
Und vor allem die Strategie, billige Tickets durch eine Steigerung der Passagierzahlen zu kompensieren, geht heutzutage anscheinend nicht mehr auf. Und in Dublin pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass man bei Ryanair nicht mehr nur an weiteren und höheren Zuschlägen bastelt, sondern auch ernsthaft über grundsätzliche Preiserhöhungen nachdenkt. Was bedeutet, dass auch die sogenannten Schnäppchen-Tickets nur noch einigen wenigen Frühbuchern zugute kommen. Das alles heißt nichts anderes, als dass sich die sogenannten Billigflieger in diesem Punkt den Linienfliegern nähern werden.
Linienflieger mit Neuorientierung
„À-la-carte-Pricing“ dagegen heißt bei den Linienfliegern anscheinend die Zukunft, ein Preismodell, das von den Billigairlines schon lange praktiziert wird. Doch eines ist auch auffällig, die Linienflieger stellen sich auch preislich den sogenannten Billigfliegern im Wettbewerb. Ein Beispiel:
Jahrelang ignorierte Austrian Airlines die Billigtickets von „FlyNiki“. Nun aber „wildert“ Konkurrent „FlyNiki“ in den Pfründen der AUA, dem Osteuropa-Geschäft, dem so wichtigen Standbein der AUA. Da bekam das noch Manager-Duo Malanik und Bierwirth Muffensausen.
Nur deshalb hat man „FlyNiki“ den Kampf angesagt, und zwar auf den Strecken ins bulgarische Sofia und ins rumänische Bukarest. Schon seit Monaten wirbt „FlyNiki“ auf diesen Routen mit Ticketpreisen ab 29 Euro, hin und zurück für 58 Euro. Das konnte sich die AUA nicht länger mit ansehen und bietet nun Tickets ab 59 Euro an - hin und zurück.
Dies sind natürlich Kampfpreise, die auf Dauer nicht zu halten sind, aber die Reisenden freut's. Dass sich eine einst so renommierte Fluggesellschaft wie AUA auf ein solches Spiel einlässt, spricht wohl Bände.
(Fortsetzung folgt)
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