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20.11.2009 13:03 Uhr
» Übersicht » Airlines » Lufthansa
Lufthansa: Rote Karte für das Callcenter in Kassel
Das ist neu: Die Lufthansa will mit Dumpinglöhnen ihre Kosten senken. Und wer nicht mitmacht, fliegt raus oder soll woanders arbeiten. Schaut man sich diesen Fall etwas genauer, dann wird schnell klar, dass die Lufthansa mit bisher nicht für möglich gehaltenen Methoden sich einer bestimmten Mitarbeitergruppe entledigen will.

Da behauptet die Lufthansa, dass ihre Mitarbeiter im Callcenter Kassel nicht bereit gewesen wären, ein „wirtschaftlich tragfähiges Zukunftskonzept“ zu akzeptieren. Dieses „Zukunftskonzept jedoch sieht alleine vor, dass die Belegschaft auf weitere 40 Prozent ihres Einkommens verzichten soll. Dabei haben die Mitarbeiter bereits vor fünf Jahren schon einmal auf einen Teil ihres Einkommens verzichtet, um den Standort zu sichern. Würde sie auf die Forderung der Lufthansa eingehen, entspräche der Verdienst weniger der Höhe des zu erwartenden Arbeitslosengeldes - für die Arbeitnehmer ist das unzumutbar.

Und ein ver.di-Vertreter sagte gegenüber dem Hessischen Rundfunk (Zitat): „Nach seiner Ansicht könnte der Kasseler Standort wahrscheinlich gerettet werden, würde Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber mit gutem Beispiel vorangehen und seinerseits auf 40 Prozent seines Einkommens verzichten.“
Eine Sprecherin der Lufthansa bestätigte dem Hessischen Rundfunk die Schließungspläne. Ab Dezember solle mit den Mitarbeitern über Sozialpläne verhandelt werden. Dabei wird es vor allem darum gehen, ob und wie viele der Kasseler Beschäftigten an anderen Standorten eingesetzt werden können.

Für Montag ist eine Betriebsversammlung geplant. Einen genauen Termin für die Schließung des Callcenters gibt es noch nicht. Der Betriebsrat rechnet jedoch damit, dass die Lufthansa Mitte 2010 das Callcenter Kassel schließen will.




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Kommentare

bisher 1 Kommentare

am 14.01.2010 09:22 Uhr von HON-Flieger
  Boykott
Es ist unglaublich, wenn man ein wenig Zugang zu Informationen zu diesem Vorgang hat.

Der Callcenter in Kassel ist auf die Callcenter insgesamt (weltweit) gesehen derjenige mit dem größten Know-how und die Mitarbeiter sind diejenigen, die innerhalb der Lufthansa-Callcenter die weitreichendste Autorisierungsmöglichkeit haben. Somit ist ihr Job auch der verantwortungsvollste. Dies wird alleine dadurch deutlich, dass in Kassel auch der Callcenter für die Callcenter der Lufthansa, also die INTERNE help-line für Probleme, die Callcenter-Agenten weltweit nicht lösen können, beheimatet ist.

Aus diesem Grund dauern Anrufe teilweise länger als in einem Callcenter in Johannesburg, bei dem eine "Hausfrau ein Ticket nach Paris" ordert.

Diese Erfahrung kostet natürlich auch insofern mehr Geld, als dass die Lufthansa dort Mitarbeiter beschäftigt bzw. beschäftigen "muss", die nicht zu Dumping-Löhnen neu eingestellt werden können. Die Lufthansa hat den Callcenter in Kassel zwar vor gut 5 jahren "ausgegliedert",und damit wurden Verträge gekündigt, die nur wenige zeit später zur Unkündbarkeit vieler weiterer MitarbeiterInnen geführt hätte (was die Abwicklung, die JETZT stattfindet, wesentlich erschwert hätte). Außerdem konnte die Lufthansa dadurch die Gehälter und die Konditionen völlig neu definieren und damit auch deutlich Lohnkosten senken (ca, 20% bei einzelnen Gehältern und insgesamt durch Reduzierung der MitarbeiterInnen). Trotzdem kosten MitarbeiterInnen in Kassel mehr Geld als MitarbeiterInnen in Berlin. Dort arbeiten Lufthansa-Angestellte für den Netto-Lohn einer Kassiererin im Supermarkt. Man könnte jetzt sagen: "Ja, dafür können die Damen und Herren dann aber auch vergünstigt fliegen"... darauf antworte ich: "von was denn?"...von 1000,-€ netto im Monat?

Im vergleich dazu darf man nicht vergessen, dass in den meisten Callcentern weltweit software eingesetzt wird, die derjenigen im heimischen Browser entspricht. Startflughafen wählen, Personen, Zielflughafen, Datum, bestätigen, fertig.

Dass man nun in Kassel (wieder einmal) den besonderen Service und die berufliche Erfahrung und Unternehmensleistung (im Servicebereich) eines jeden einzelnen Mitarbeiters mit diesen "einfachen" Aufgaben einer Billig-Hotline (ohne wesentlich weitere und damit kompliziertere Servicemöglichkeiten) vergleicht und dass bei diesem Vergleich Kostenunterschiede festgestellt werden ist EINE Sache. Die ANDERE Sache ist, und DAS halte ich für sehr bedenklich, dass die eigentliche Leistung nicht verglichen wird.

DIe Lufthansa-Manager vergleichen hier Äpfel mit Birnen und gehen in keinem einzigen Moment auf die servicebedingten Mehrkosten ein.

Ich selbst bin ein sog. "HON", also ein Vielflieger, der auf den erstklassiken Service des Kasseler Callcenters schon oft zurückgegriffen hat.

Stellen sie sich vor, sie stehen in Shanghai am Ticket-Schalter und es gibt ein Problem mit ihrem Flug oder mit ihrem Ticket.

Man ruft also bei der Lufthansa an, landet in einem Callcenter in Indien und der Mitarbeiter dort versteht zwar die Problematik, KANN mein Ticketproblem aber nicht beheben. Da ich an diesem Tag unbedingt zu einem Termin am anderen Ende der Welt muss, stellt mich der indische Mitarbeiter nach Kassel durch. Dort sitzt die Kompetenz, die Ursache des Problems herauszufinden und das Problem zu beheben. DOrt kann mein Ticket oder meine Umbuchung auch autorisiert werden.

Diese Kompetenz und dieser Service darf auch ein wenig mehr kosten, als es mittlerweile bei der Lufthansa üblich geworden ist. Ich fliege im Jahr ca. 180-200 mal. Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 3000,-€ verdient die Lufthansa an mir geschätzt eine HALBE MILLIONEN €.

Dies sollte der Lufthansa dann auch einen Servicebereich ermöglichen. der auch MEIN Geld wert ist.

Ich habe mit vielen HONs der Lufthansa persönlichen Kontakt. Teils durch Geschäftsbeziehungen, teils durch zufällige Begegnungen im Flieger. Man kennt sich, man kommt ins Gespräch. Die Lufthansa würde ein Gutes daran tun, ihre Geschäftspolitik für den Callcenter in Kassel zu überdenken. Wir als Kunden wissen die Arbeit dort sehr zu schätzen und haben schon oft alternative Erfahrungen mit anderen Callcentern der Lufthansa gemacht. Unter uns herrscht Einigkeit: Wenn man mit seinem Anruf in Kassel "landet" fühlt man sich einfach besser aufgehoben als bei einem Callcenter am Ende der Welt. Diese Kundenzufriedenheit setzt die Lufthansa nun aufs Spiel.

Wir werden sehen was passiert. ICH bin zumindest auf die Flüge der Lufthansa nicht unbedingt angewiesen und die Serviceleistung anderer großer Internationaler Fluggesellschaften sind in den letzten Jahren in vielen Fällen besser gewesen als die der Lufthansa. Da hilft es auch nicht, uns Vielflieger mit dem Porsche zum Gate zu fahren.

Beste Grüße


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