Ryanair / Easyjet: Ist der Lack ab? Die sogenannten Billigflieger stehen vor verlustreichen Monaten
Die Töne von Michael O'Leary werden leiser. Sein Geschäftsmodell hat in den letzten Wochen an Glanz verloren. Nachdem wohl die Zuschlags-Abzocke der Passagiere einen Level erreicht hat, der kaum noch zu steigern ist, hat O'Leary nun Boeing den Kampf angesagt und fordert erhebliche Preisnachlässe für den Kauf weiterer Maschinen.
Ryanair verhandelt mit Boeing momentan über den Kauf von 200 Flugzeugen und will den Kaufpreis drastisch drücken und Boeing in die Pflicht nehmen. „Wir sehen keine Logik darin, unser schnelles Wachstum fortzuführen, wenn der durchschnittliche Erlös sinkt und unser wichtigster Partner Boeing seinen notwendigen Anteil an unserem Kostensenkungsprogramm verweigert“, so O’Leary. Und wie bei Ryanair üblich, setzt man seinen Geschäftspartner die Pistole auf die Brust: „Wenn die Verhandlungen bis Ende dieses Jahres kein Ergebnis bringen, wird Ryanair die Geschäftsbeziehung zu Boeing beenden.“ Daran aber glaubt auch O'Leary selbst nicht, denn zu seinem Geschäftsmodell gehört auch, nur einen Flugzeugtyp zu fliegen um Kosten zu sparen – und das sind nun einmal 202 Boeing-Maschinen vom Typ 737-800.
Ryanair hat in den vergangenen Monaten alles erreicht, nur nicht seine wirtschaftlichen Ziele. Und die Iren gehen von einem weiteren verlustreichen zweiten Halbjahr 2009 aus. Dabei konnte der sogenannte Billigflieger sogar seine Passagierzahlen erhöhen (zwischen April und September um stolze 15 Prozent auf 36,4 Millionen Euro), aber der Umsatz ging um zwei Prozent auf immerhin noch 1,8 Milliarden Euro zurück.
Doch nun muss Ryanair mit deutlichen Verlusten rechnen. Der Grund ist einfach: Die Ticketpreise von Ryanair sind zu niedrig, und um weiterhin im Wettbewerb zu bleiben, plant O'Leary, diese nochmals um bis zu 20 Prozent zu reduzieren. O'Leary: „Dies wird das Ergebnis in den Monaten Oktober bis März in die roten Zahlen bringen.“ Auf diese Aussage reagierte die Börse prompt: Die Ryanair-Aktie stürzte daraufhin ab und notierte ein Minus von über sechs Prozent.
Auch Easyjet leidet
Auch der Gewinn bei Easyjet ist im Geschäftsjahr 2008/09 eingebrochen.
Easyjet meldete: Gestiegene Treibstoffkosten haben den Gewinn im Gesamtjahr 2008/09 erheblich geschmälert. Das bereinigte Vorsteuerergebnis fiel auch wegen gefallener Zinseinnahmen um 65 Prozent auf umgerechnet 49,2 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September 2010 erwarte man eine deutlich besseres Ergebnis. Bei den Passagierzahlen verbuchte EasyJet einen Anstieg von 3,4 Prozent auf 45,2 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Auslastung der Maschinen (Sitzladefaktor) verbesserte sich um 1,4 Prozentpunkte auf 85,5 Prozent.
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