Es ist erst einige Tage her, als Europas Piloten mit verschiedenen Aktionen auf ihre unbefriedigenden Arbeitszeiten aufmerksam machten, die sie als ein Sicherheitsrisiko bezeichnen (
http://www.airline-bewertungen.eu/airlinenews/airlinenews-2095.html).
Minneapolis: Sind Piloten eingeschlafen?
Als nun eine Maschine der us-amerikanischen Northwest Airlines 240 Kilometer über ihren Zielflughafen Minneapolis hinausflog, wurde eine Untersuchung eingeleitet, ob beide Piloten evtl. geschlafen hatten. Denn mehrfach hatten Fluglotsen versucht, die Piloten über Funk zu erreichen - unter anderem auch mit einem Gerät, das kaum zu überhören sei. Zudem zeigten die Airbus-Displays an, dass der Landevorgang einzuleiten sei. Auch seien die Lichter der Millionenstadt Minneapolis deutlich zu sehen gewesen.
„Emirates“ ist nur ein Beispiel
Wie dem auch sei, die Arbeitszeiten der Piloten sind mehr denn je ein großes Thema, das alle Airlines weltweit betrifft. Der Redaktion der News von www.airline-bewertungen.eu liegt eine schriftliche Auseinandersetzung zwischen Piloten und Verantwortlichen von „Emirates“ vor, die beispielhaft für die unterschiedlichen Positionen von Fluggesellschaften und ihren Piloten steht. Dies wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, trägt es doch in erheblichem Maße zur Meinungsbildung bei. Die australische Zeitung „Sunday Herald Sun“ deckte diesen Fall auf.
Aus der Berichterstattung der „Sunday Herald Sun“
„Indem wir uns auf die Gesetze des „US Freedom of Information Acts in Washington DC“ beriefen, haben wir Dokumente erhalten, die das wahre Ausmaß dieses kritischen Sicherheitsproblems offenlegen. Unter den Dokumenten befinden sich eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei US-amerikanischen und australischen Luftfahrtbehörden und interne E-Mails zwischen Piloten und Geschäftsführern der Fluggesellschaft „Emirates“.
Profit vor Sicherheit?
In der detaillierten Beschwerde, die auf den 21. Dezember 2008 datiert ist, schreibt ein Pilot: „Es gab permanenten Druck von der Wirtschaftsabteilung … bezüglich der Meinung der Piloten, dass sich die Flugsicherheit zunehmend verschlechtert.“ In anderen Worten ausgedrückt: Die Piloten von „Emirates“ sehen die Ursache darin, dass wirtschaftliche Interessen über das Leben von Passagieren und der Crew gestellt werden.
Mahnende E-Mail
In einer E-Mail an den Vorstand von „Emirates“, stellt ein Kapitän dies in deutlichen Worten dar und warnt: „Ich bin sehr besorgt, dass das Gleichgewicht zwischen Kommerz und Sicherheit bei „Emirates“ in die falsche Richtung kippt.“ Der Pilot fährt fort: „Das traurige an dieser Sache ist, dass es im Falle des schlimmsten Ereignisses die müden Piloten sein werden, die – tot oder lebendig – auf der Anklagebank sitzen werden und nicht die Personen im Management …“. Und ein anderer Pilot warnt, dass Piloten unter „Sekundenschlaf“ leiden, während sie ihr Flugzeug landen.
Entging man in Melbourne einer Katastrophe?
Das ist nicht das erste Mal, dass die „Sunday Herald Sun“ die Sicherheitsbesorgnisse bei „Emirates“ aufzeigt. Am 12. April 2009 enthüllte die Zeitung, dass Airbus-Piloten von „Emirates“ mit 275 Passagiere an Bord nur um 70 Zentimeter einen Crash auf dem Melbourne Airport verhindern konnten.
Grund: Der Pilot hatte am Vortag nur dreieinhalb Stunden geschlafen und war im Vormonat nahe am erlaubten Maximum von 100 Flugstunden gewesen. Im Mai dieses Jahres sprachen die „Sunday Herald Sun“ mit drei weiteren Piloten von „Emirates“, die alle ernsthafte Sorgen wegen Müdigkeit äußerten.
Die Ermittlungen
Die „American Federal Aviation Authority“ erklärte, gegen „Emirates“ zu ermitteln stehe nicht in ihrer Kompetenz, da es sich um eine ausländische Fluggesellschaft handelt. Das „Australian Transport Safety Bureau“ prüft den Zwischenfall am „Tullamarine Airport“ in Melbourne, hat aber keine umfassenderen Ermittlungen zu den Müdigkeitsbeschwerden der Piloten eingeleitet. „Sunday Herald Sun“: „Wie absurd. „Emirates“ fliegt zu unseren Städten und befördert mehr als 1,6 Millionen Passagiere jährlich. Die mit Treibstoff geladenen Flugzeuge fliegen über unsere Vorstädte. Es obliegt australischen und US-amerikanischen Flugbehörden sofort gegen „Emirates“ zu ermitteln.“
Keine andere der großen Airlines, die nach oder von Australien fliegt, wird von Seiten ihrer Piloten so heftig kritisiert. „Sunday Herald Sun“: Der Grund, warum diesen Besorgnissen von einer unabhängigen Sicherheitsregulierungsbehörde nachgegangen werden muss, ist der: Seine Exzellenz Scheich Ahmed Bin Saeed al-Maktoum ist Vorstandsvorsitzender der „Emirates“ Group, Eigentümer von „Emirates“. Er ist gleichzeitig auch der Präsident der „Civil Aviation Authority“ von Dubai, aber auch im Vorstand der „General Civil Aviation Authority“ der Vereinigten Arabischen Emirate.
Im Mai sprach ein Pilot von „Emirates“, der anonym bleiben wollte, über seine Arbeitsbedingungen und erklärte der „Sunday Herald Sun“: „Ich will kein rauchendes Loch in der Erde sehen, aus dem ein Heck mit dem Signet von „Emirates“ herausragt, aber wenn wir so weitermachen, ist dies nicht ausgeschlossen.“
„Emirates“ kontert scharf
Prompt reagierte „Emirates“ mit einem Schreiben von Richard Vaughan, dem „Divisional Senior Vice President Commercial Operations Worldwide“, in dem es heißt: „„Emirates“ weist Presseberichte in einer australischen Zeitung auf das Schärfste zurück, die sich auf das Müdigkeitsrisiko bei „Emirates“ beziehen. „Emirates“ stellt fest, dass die zur Verfügung gestellten objektiven Daten nicht mitgeliefert und einseitige Artikel veröffentlicht wurden, die auf Aussagen von anonymen Personen beruhen.
Ganz im Gegenteil – mit wissenschaftlicher Unterstützung
„Emirates“ wiederholt, dass Sicherheit über allem steht. „Emirates“ ist ein weltweiter Spitzenreiter im Hinblick auf das Management von Müdigkeit bei Piloten. Unser „Fatigue Risk Management System“ (FRMS) kontrolliert ständig die Belastung von Piloten speziell bei Flügen zu internationalen Destinationen und wechselt die Crews öfters als gesetzlich vorgeschrieben. „Emirates“ arbeitet als einzige Airline mit einem wissenschaftlichen Berater aus dem Bereich der Schlafforschung zusammen. Dr. Mark Rosekind, Präsident der „Alertness Solutions“ in den Vereinigten Staaten, arbeitete bereits als Wissenschaftler der NASA und erforscht seit vielen Jahren die Müdigkeit von Menschen.
Weit über den Standards – auch bei den Crews
Die Programme von „Emirates“ werden vom weltweiten Gremium für internationale Luftfahrtstandards geschätzt. Zum Beispiel wurde die Airline gebeten, während einer bevorstehenden Sitzung des von der „International Civil Aviation“ Empfehlungen für technische zu Flug- und Dienstzeitstandards zu geben.
Das „Flight Time Limitation Scheme“ von „Emirates“ basiert auf internationalen Normen. Auf unseren Ultra-Langstreckenflügen wurden mit Hilfe wissenschaftlich anerkannter Protokolle objektive Tests zur Wachheit und Müdigkeit durchgeführt. Diese Tests während der kritischen Minuten vor der Landung und dem Anflug zeigten keine Verringerung der Wachheit.
„Emirates“ nutzt im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften zwei Flugkapitäne und zwei First Officers auf Langstreckenflügen. Die meisten anderen Fluglinien fliegen mit nur einem Flugkapitän und zwei First Officers.
Verantwortung liegt letztendlich bei den Piloten
Die Verantwortung allerdings, um Müdigkeit vorzubeugen, bleibt sowohl den Piloten als auch der Crew überlassen. Der Crew des EK 407, die am 20. März von Melbourne nach Dubai fliegen sollte, war ein 24-stündiger Aufenthalt in Melbourne zugeteilt – eine ausreichende Zeitspanne, um die bereitstehenden Ruheeinrichtungen zu nutzen. Das „Australian Transport Safety Bureau“ hatte in seinem vorläufigen Bericht über das Ereignis deutlich gemacht, dass es keine Anzeichen gäbe, die auf Ermüdung als eine Ursache für den Zwischenfall hindeuten würden.
Unter der Aufsicht der FAA
„Emirates“ agiert unter dem „Foreign Air Operators Certificate Program“ der „Federal Aviation Authority“ (FAA). Damit verpflichtet sich „Emirates“ nach den strikten Regulierungsauflagen zu arbeiten – unter der Aufsicht der FAA. Die FAA bestätigte, dass nach ihrer Einschätzung „Emirates“ alle Auflagen der FAA und der „General Civil Aviation Authority“ (GCAA) sowie internationale Auflagen, die die Flug- und Dienstzeit betreffen, und die Sicherheitsaufsicht einhält.
Fazit
Die Frage steht also im Raum, ob sich Anspruch und Wirklichkeit widersprechen? Dies alleine auf „Emirates“ zu projezieren wäre falsch, wie die Aktionen von Piloten aller europäischen Airlines zeigen.
Eines kristallisiert sich jedoch heraus: Das Thema der Arbeitsüberlastung von Piloten, verbunden mit Müdigkeit durch zu enge Zeitpläne, wird in nächster Zeit noch mehr im Mittelpunkt der Diskussionen stehen. Und das ist eine gute Nachricht, denn die Sicherheit beim Fliegen darf keine Kompromisse kennen. Wir bleiben an diesem Thema dran.