Austrian Airlines / Lufthansa: Schuld an der Misere haben immer andere
Die Lufthansa hat den Weg der Austrian Airlines in die Zukunft präsentiert. Der verheißungsvolle Titel: „Austrian Next Generation“. Da heißt es unmissverständlich: „Wir müssen ohne Mehrkosten in Personal- und Flugzeugaufwand mehr fliegen.“ Zur Erinnerung: Bis Ende 2010 wird der Personalstand, der Ende des Vorjahres noch bei 7914 lag, auf 6000 Mitarbeiter reduziert. Das ist der hohe Preis für die Sanierung.
Die Maßnahmen der Lufthansa
Lufthansa will aber auch an den externen Kosten drehen und setzt bereits ihre Lieferanten unter Druck, um bessere Konditionen zu bekommen. Das macht die Lufthansa auch deutlich mit der Aussage: „Wir müssen Einkaufsvorteile nutzen“.
Mit dieser Aussage ist auch der Flughafen Wien gemeint, von dem man eine deutliche Senkung der Gebühren verlangt. Die Lufthansa begründete dies auch: „Wir haben die volle Verantwortung für Austrian Airlines und damit auch für den Erfolg der Sanierung.“ Was soviel heißt, dass im Prinzip jedes Mittel recht ist, um die AUA auf Vordermann zu bringen. Ob dies tatsächlich gelingt, hängt natürlich auch von den auch globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die internationale Krise der Luftfahrt wird noch lange nicht beendet sein. Und auch die Lufthansa selbst muss den Gürtel enger schnallen – über die eingeleiteten und geplanten Maßnahmen haben wir schon ausführlich berichtet.
Bierwirths Ausreden-Katalog
Vorstand Andreas Bierwirth betonte gestern noch einmal vor der Presse in Wien: „Wir wollen 2011 ein positives operatives Ergebnis erzielen, und damit das gelingt, brauchen wir eine neue Markt- und Flottenstrategie.“ Das fällt ihm natürlich viel zu spät ein, denn gerade er hätte die Chance gehabt, schon viel früher die Wende einzuleiten, schließlich war er das „Trojanische Pferd“ der Lufthansa zu Zeiten, als die AUA noch AUA war.
Bierwirth weiter: „Um wieder Gewinne einzufliegen, müssen die Kosten pro Sitzplatz deutlich gesenkt werden. Die Preise können wir nicht gegen den Markt erhöhen, unsere Kosten eigenständig senken schon. Die Erlöse pro Sitzplatz müssen höher sein als die Kosten pro Sitzplatz.“ Diese Erkenntnis ist in der Branche eine Binsenweisheit, weshalb sich viele Experten fragen, warum man mit solchen Maßnahmen gewartet hat, bis die Lufthansa die Macht übernahm?
Weitere Details des Sanierungskonzeptes
Das Sanierungskonzept sieht vor, dass ab Sommer 2010 die 50-sitzigen Flugzeuge durch die größeren Boeing 737-800 ersetzt werden sollen. Bierwirth: „Wir werden künftig mit größeren Flugzeugen volumensstarke Primärmärkte anfliegen. Wir konzentrieren uns auf die großen Märkte im Westen und Osten.“ Das ist der Abschied von Bierwirths bisheriger Strategie, sich auf Nischenmärkte im Osten zu konzentrieren, für die er etwa 90 Flugzeuge im Einsatz hat und verantwortlich war. Seine Einsicht: „Die starke Abhängigkeit von Osteuropa brachte der AUA Probleme, weil die Wirtschaftskrise diese Region besonders hart getroffen hat.“
Bierwirth war gestern wieder einmal dabei, die Schuld bei allem zu suchen, nur nicht bei sich selbst und seinem Spezi Malanik.
Der Name „Lauda“ soll verschwinden
Weiterhin plant man, das Chartergeschäft von acht Flugzeugen auf künftig drei Flieger zu reduzieren. Und dann kam nicht ganz überraschend die Mitteilung, dass man sich vom Namen „Lauda Air" - mit der das Chartersegment bedient wird – wohl verabschieden wolle. Die AUA hatte „Lauda Air“, im Jahre 2002 vollständig übernommen. Da Lauda jedoch zu einem der heftigsten Kritiker der AUA-Übernahme durch die Lufthansa wurde, hat man keine Lust mehr, mit diesem Namen weiterzufliegen.
… und da ist auch noch Mayrhuber
Bierwirths Pressekonferenz ließ aber viele Fragen offen, denn was er vortrug, wird nie und nimmer ausreichen, um die AUA dahin zu bringen, wo sie Lufthansa-CEO Mayrhuber gerne hätte. So müssen sich viele, die von der AUA abhängig sind, auf noch härtere Zeiten einstellen. Die Spitze des Sanierungs-Eisberges ist noch nicht erreicht.
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Kommentare
bisher 1 Kommentare
am 14.10.2009 18:55 Uhr von Bob G.
Ausreden Ist ja gut, dass es im Teich der Aviationportale auch Hechte gibt, nur ist der obige Kommentar leider ziemlich zahnlos. Bzw schlicht falsch.
So waren die hochpreisigen Ostnischen nie Bierwirth's Strategie, sondern ein Erbe von Sörensen und Ötsch.Fokus East wird nicht nur in vollem Umfang beigehalten, sondern sogar noch stark ausgebaut. Logisch, das war der Hauptgrund, warum Lufthansa die AUA überhaupt gekauft hat.
Zweitens ist auch nicht daran gedacht, die Touristikmarke Lauda aufzugeben. Auch wenn der Name zunehmend für die Konkurrenz wirbt.
Und wo hat Bierwirth die Schuld bei anderen gesucht? In dem er die gegenwärtige Marktsituation detailiert analysiert und die notwendigen Schlüsse daraus gezogen hat?
Sorry, das sind keine sachlichen 'Be' sondern unsachliche 'Ab'-Wertungen. Wozu bitte soll das gut sein?
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