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17.09.2009 15:50 Uhr
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Czech Airlines: Privatisierung mit Hindernissen oder mit einer Pleite
Nach SkyEurope und der einstigen staatlichen FlyLAL droht auch der Czech Airlines nach der Privatisierung bankrott. Die Finanz- und Wirtschaftskrise trifft die osteuropäischen Fluggesellschaften offenbar ins Mark.

Alles, nur nicht die Russen
Der tschechische Finanzminister Eduard Janota macht kein Hehl mehr daraus, dass der Verkauf der einst so traditionsreichen Fluglinie noch platzen könnte: „Ich bin nicht so naiv, dass ich eine solche Möglichkeit ausschließen kann. Das Schlimmste aber, was passieren könnte, wäre, dass das Unternehmen an jemanden verkauft wird, den wir nicht wollen.“ Und damit meinte er die russische Aeroflot.

Das Dilemma in Zahlen
Doch der Reihe nach. Als im Januar 2009 die Ausschreibung zur CSA-Privatisierung veröffentlicht wurde, war die Welt noch in Ordnung: Zuverlässigkeit seit 1923, etwa 5,5 Millionen Passagiere im Jahre 2008, 51 Airbus-Maschinen und Boeings bildeten die Flotte, und man hatte CSA 2008 sogar einen kleinen Gewinn eingeflogen. Es meldeten sich sechs Interessenten, die förmliche Angebote abgaben, von denen schließlich vier übrig blieben.

Ein Scherbenhaufen ohne Perspektiven
Doch heute sieht die Welt in der Czech Airlines völlig anders aus. Man steht praktisch vor einem Scherbenhaufen und reagierte in dieser Woche mit der Auswechslung von gleich zwölf Aufsichtsratsmitgliedern. Vorsitzender ist nun der Sanierungsexperte Vaclav Novak.

Die Gründe liegen auf der Hand: Das CSA-Management, übrigens immer noch in Amt und Würden, legte katastrophale Zahlen vor: Rund 71 Millionen Euro Verlust im ersten Halbjahr 2009, das ist ein Minus von 3500 Euro bei jedem Start einer CSA-Maschine. Damit hat ein echter Überlebenskampf begonnen, denn noch immer sinken die Passagierzahlen und die ständig fallenden Ticketpreise tun ein Übriges.

Die Antworten sind die üblichen
So reagieren auch die Tschechen mit Entlassungen: 860 der etwa 4600 Arbeitsplätze werden wegfallen, man streicht einige transatlantische Verbindungen und möchte sechs Flugzeuge verkaufen.

Eine Frage der Ehre
Doch es geht in Wirklichkeit noch um viel mehr. Czech Airlines ist ein Aushängeschild Tschechiens, vergleichbar in der Bedeutung für das Land wie die Austrian Airlines für Österreich. Und auch der Flughafen Prag lebt von Czech Airlines, werden doch die Hälfte aller Flugbewegungen von Czech Airlines durchgeführt.

Air France wendete sich mit Grauen ab
Am 30. September läuft die Frist für Angebote zur Übernahme von 91,5 Prozent Staatsanteilen an CSA aus. Doch eine Entscheidung vom April 2009 könnte nun zum Problem werden, denn damals lehnte man ein Angebot der russischen Aeroflot aus politischen Gründen ab. Hatte man da noch die Hoffnung, dass sich Air France/KLM in Tschechien engagieren wird. Als die Franzosen jedoch in die Czech-Airlines-Bücher schauten, wendeten sie sich mit grauen ab. Man sprach sogar davon, dass den Prüfern die Haare zu Berge gestanden haben.

Noch immer kämpft man mit Vorurteilen
Heute nun gibt es nur noch einen unentwegten Interessenten, das tschechisch-isländische Konsortium Unimex/Travel Service. Doch es pfeifen die Spatzen von Prags goldenen Dächern, dass sich auch dieser Bewerber verabschieden wird.

Steuergelder oder Pleite?
Und dann? Dann müsste der tschechische Staat die Millionenverluste auf Kosten der Steuerzahler ausgleichen. Es gibt jedoch noch einen Rettungsanker, und das ist, für Insider nicht überraschend, Aeroflot. Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man wiederum aus politischen Gründen Czech Airlines lieber an die Wand fährt, als sich mit den Russen einzulassen. Dabei vergessen die Tschechen aber, dass auch Russland einen gehörigen Wandel vollzogen hat und mit der alten Sowjetunion nichts mehr gemein hat.





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