Airbuswerk Laupheim: Mit Diehl und Thales auf dem Weg in die Rüstungsproduktion
Was auf den ersten Blick wie ein üblicher Firmenverkauf aussieht, ist es nicht. Das Airbuswerk Laupheim soll an Diehl und Thales verkauft werden.
Wer ist Diehl?
Nicht wenige Überlebende des Holocoust werden sich an die unrühmliche Geschichte dieser Firma während der NS-Zeit erinnern, auf der die ökonomischen Erfolge der Firma beruhen. 1938 übernahm Karl Diehl die Firmenleitung von seinem Vater und baute das Unternehmen zu einer der bedeutendsten Waffenschmieden für Hitler aus. Noch kurz vor Kriegsende wurde Karl Diehl für das Kriegsverdienstkreuz Erster Klasse vorgeschlagen. Begründung: Diehl habe seine Fabrikanlagen in hervorragender Weise für die Rüstung genutzt und seinen Personalstand zwischen 1939 und 1942 fast verdreifacht.
Doch diese neuen Arbeitskräfte waren überwiegend die „sehr kostengünstigen“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Zweigstellen von Diehl gab es in Konzentrationslagern Stutthof, Flossenbürg und Groß-Rosen, wo unter menschenunwürdigen Bedingungen gearbeitet werden musste und viele während der Arbeit starben.
1945 wurde Karl Diehl von den Alliierten kurzfristig seiner Position enthoben. Mit der Wiederaufrüstung der BRD kam der Unternehmer aber wieder dick ins Geschäft. Mehr als drei Millionen Minen hat Diehl der Bundeswehr geliefert. Zunächst „ordinäre“ Tretminen, heute werden hochtechnologische Elemente der so genannten Flächenverteidigungsmine Cobra produziert.
Diehl und Thales arbeiten im gemeinsamen Unternehmen Diehl Aerospace zusammen. Bei Diehl Aerosystems wird das Luftfahrtgeschäft zur Ausrüstung militärischer und ziviler Flugzeuge gebündelt.
Doch wer ist Thales?
Im Jahre 1998 wurden die Rüstungsabteilungen von Alcatel, Dassault Électronique und Thomson CSF zu einem neuen Unternehmen,Thales, zusammengelegt. Heute ist Thales ein internationaler Elektronik- und System-Riese, mit der Produktion von Bauteilen für Verteidigung und Angriff im Bereich der militärischen Luft- und Raumfahrt. Seine Produkte: Flugsicherungssysteme, Flugabwehrrakete, Komponenten für Schiffe, Luftfahrzeuge und Satelliten, Leit- und Sicherungstechnik für den Schienenverkehr, Simulationssysteme, Enterprise Services, Lösungen für die Aufklärung und Kommunikation im militärischen Bereich. Etwa 68.000 Mitarbeiter in 50 Ländern erwirtschaften einen Umsatz von über zwölf Milliarden Euro. In Deutschland hat Thales 4700 Mitarbeiter an über 20 Standorten.
Trotz aller Bedenken hat die Finanzstärke dieser beiden Firmen dem Airbus-Management wohl keine andere Wahl gelassen, denn schließlich ist man auf neues Geld angewiesen. EADS ist durch die Dollarschwäche und Verzögerungen beim neuen Großflugzeug A380 in Schwierigkeiten geraten und hat ein Sparprogramm eingeleitet, zu dem auch Werksverkäufe gehören. Was aus den Mitarbeitern in Laupheim wird, das wurde auch noch nicht bekannt, und mangelnder Alternativen müssen auch sie jetzt ihr Können im militärischen Bereich beweisen.
Nun meldete das Magazin „Wirtschaftswoche“, dass Airbus-Chef Tom Enders auch beim Militärtransporter A400M mit neuerlichen Verzögerungen rechnet. So könne es sein, dass der für diesen Sommer angekündigte Jungfernflug erst im Herbst stattfindet. Und bei der Lösung dieser Probleme kommen vielleicht die Militärexperten von Diehl und Thales gerade recht.
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