Bürger gegen Wirtschaftsbosse: Stuttgart Airport vor einer ungewissen Zukunft
Fast unbemerkt von der großen Öffentlichkeit steckt der Flughafen Stuttgart-Echterdingen in einer großen strukturellen Krise. Auslöser war der Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Öttinger, die Urlaubsflieger auf den Baden-Airport (bei Rheinmünster, Kreis Rastatt) auszulagern, um den Stuttgarter Flughafen zu entlasten. Dieser Vorschlag führte zu heftigsten Reaktionen bei den Airlines und Luftfahrtexperten. Es würde bedeuten, dass die Airlines den Geschäftsreisenden-Flugbetrieb von den Urlaubsfliegern trennen müssten.
Ein Germanwings-Sprecher sagte: „Für uns stellt sich die Frage nach einer Auslagerung an den Söllinger Flughafen überhaupt nicht!“ Eine Trennung von Urlaubs- und Geschäftsfliegern sei unmöglich, da das Klientel beider Gruppen oft die gleiche Maschine buchen würden.
Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller sagte ebenfalls, dass eine Trennung nicht zu realisieren sei und auch zulasten der Wirtschaftskraft im Großraum Stuttgart gehen würde.
Hintergrund dieser Diskussion ist der Streit um eine zweite Start- und Landebahn angesichts steigender Passagierzahlen. Doch die werden nach neuesten Erkenntnissen bei weitem nicht so hoch ausfallen wie noch vor kurzem prognostiziert. Und so sind die magere die Bilanz für das Jahr 2007 und die Perspektiven für 2008 Argumente für die Kritiker, die einen Ausbau verhindern möchten. Trotzdem glauben die Befürworter einen Anstieg der Passagierzahlen von jetzt zehn Millionen auf 17 Millionen im Jahr 2020, und dies sei nur mit einer zweiten Piste zu bewältigen.
Doch die Befürworter einer Flughafenerweiterung sehen sich einer geballten Front von mehr als 50 Gemeinden gegenüber, deren Bürger schon heute extrem unter dem Fluglärm leiden. Und so wundert es nicht, dass sich ein Jahr vor der Bundestagswahl ein parteienübergreifendes Bündnis gegen den Ausbau profiliert.
Doch auch die Lobby der mächtigen baden-württembergischen Wirtschaft hat Stellung bezogen und befürchtet, dass aufgrund der bevorstehenden Wahlen ihr bisheriger Fürsprecher Öttinger eine Rolle rückwärts machen könnte. Die Wirtschaftsbosse verweisen darauf, dass die Politiker in Bayern und Hessen auf die Ausbau-Proteste auch keine Rücksicht genommen hätten. Öttinger hat jetzt ein Problem: Wirtschaft oder Bürgerinteressen? Beides geht nicht! Über 10.000 Menschen haben vergangenen Samstag gegen den Ausbau des Flughafens Stuttgart protestiert. Das hat Wirkung gezeigt. Und so darf man gespannt sein, wie die CDU/FDP-Landesregierung über die Erweiterung des Flughafens entscheiden wird – dies soll noch 2008 geschehen.
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