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05.07.2009 23:12 Uhr

Lufthansa: Attacke gegen Ryanair - Politikbrief bestätigt unsere News

Regelmäßig gibt die Lufthansa einen sogenannten Politikbrief heraus, ein Instrument der Lobby-Arbeit. Nach langer Zurückhaltung hat man sich nun intensiv einem Thema gewidmet, das auch in unseren News immer wieder vorrangig behandelt wird: Ryanair und damit die Abhängigkeit bestimmter Flughäfen. Aber auch die unbegreifliche Politik zum Beispiel der Landesregierung von Rheinland-Pfalz.

Wir zitieren aus einem Lufthansa-Politikbrief:
Flughafen Hahn: Wunschdenken trifft Realität
Rheinland-Pfalz verweigert sich einer realistischen Bestandsaufnahme am Flughafen Hahn. Mit aller Macht will man den ehemaligen US-Fliegerhorst gegen jede wirtschaftliche Vernunft subventionieren. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat die Mainzer Landesregierung schon mehr als 120 Millionen Euro an Steuergeldern in das Millionengrab Hahn versenkt. Und dabei kennt die verfehlte Struktur- und Verkehrspolitik auf dem Hunsrück vor allem einen Hauptgewinner: die irische Ryanair.

Fraport wirft das Handtuch
Seit Beginn des Flugbetriebes vor über einem Jahrzehnt schreibt der Flughafen Hahn ausschließlich tiefrote Zahlen. Das Minus liegt derzeit bei 15 bis 20 Millionen Euro pro Jahr. Airportbetreiber Fraport – der auf dem Hunsrück Gesamtverluste in Höhe von 140 Millionen Euro beklagt – musste die Reißleine ziehen und gab im Februar 2009 seine Flughafenanteile in Höhe von 65 Prozent für einen Euro ab. „Verlustbringer können wir uns dauerhaft nicht leisten“, erklärte die Fraport.

Politik greift ins Steuersäckel
Käufer der Fraport-Anteile ist Rheinland-Pfalz, das nun insgesamt 82,5 Prozent hält. Ohne Rücksicht auf Steuergelder will das Land den Flughafen betreiben. Bundesstraßen und Autobahnen werden ausgebaut, die Mosel überquert und die Hunsrückbahn wieder belebt. Irgendwann soll damit auch der erste Euro verdient werden: Freimütig räumt Wirtschafts- und Verkehrsminister Hering ein, dass der Airport selbst nach eigenen Planungen erst 2016 schwarze Zahlen schreiben soll – mindestens bis dahin werden auf dem Hunsrück weitere Millionenbeträge im hohen zweistelligen Bereich verbrannt. Unter dem Strich bleibt ein schwer vermittelbares Resultat stehen.

Zukunftskonzepte Fehlanzeige
Zur Rückverstaatlichung des Flughafens reicht der politische Wille offensichtlich aus. Wie Hahn allerdings wirtschaftlich betrieben werden kann, ist vollkommen unklar. In letzter Konsequenz wollen einige Politiker ankommende Passagiere statt nach Frankfurt zum Weiterflug auf den Hunsrück zwingen oder die Frachtströme in den Hunsrück umleiten – jegliche Reisequalität, Effizienz und ökologische Verantwortung bleiben dabei auf der Strecke.

Gefährliche Abhängigkeit
Ryanair weist in Hahn einen Passagieranteil von nahezu 100 Prozent auf und spielt ihre Macht gegenüber dem Flughafen voll aus. So war es ein Leichtes, den geplanten Hahn Taler – als Versuch, ein gänzlich neues Entgelt direkt von den Passagieren zu erheben – zu Fall zu bringen. Dabei schröpft Ryanair selber ihre Kunden bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Laut eigener Aussage müssen Reisende der Airline in Zukunft sogar Toilettengebühren an Bord befürchten.

Subventionspraxis im Fokus
Die Abhängigkeit von einer einzelnen Airline fördert wirtschaftliche Exzesse und zweifelhafte Geschäftspraktiken am Flughafen Hahn. Neben vielen Mitbewerbern will nun auch die EU-Kommission darüber Klarheit. Sie fordert Deutschland unmissverständlich dazu auf, Licht in das Subventionsdickicht in Hahn zu bringen. Andernfalls droht eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Eine feste Linie gegen unsinnige Subventionen muss auch und gerade in Krisenzeiten durchgehalten
werden.

Koalitionsvertrag umsetzen
Hahn beweist, dass Flughafenkonversionsprojekte allzu leicht in Millionengräber münden können – und das alles zu Lasten der Steuerzahler. Wichtiger denn je ist eine einheitliche, zukunftsfähige Luftverkehrsstrategie.
aufgreifen und Deutschland als Luftfahrtstandort stärken.

Billigflieger und Miniflughäfen: Steuerzahler begleichen die Zeche
Bei vielen Regional- und Kleinstflughäfen sind Billigflieger mit von der Partie – ein immer fataleres Zusammenspiel zu Lasten der Steuerzahler.

Altenburg-Nobitz belastet Leipzig/Halle
Regional- und Landespolitiker halten dem Millionengrab Altenburg-Nobitz – wider jede Vernunft – die Treue. In den Ausbau des ehemaligen Militärflugplatzes wurden bislang rund 28 Millionen Euro gesteckt. Dafür können die Altenburger nun zehnmal die Woche einen Billigflieger nach London oder ins spanische Girona besteigen. Und die Verschwendung hält an: Bis Ende 2009 modernisiert das Land Thüringen die Infrastruktur für vier Millionen Euro. Diese Subventionitis verzerrt die Flughafenlandschaft in der Region und geht zu Lasten von Airports wie Leipzig/Halle und Erfurt.

Niederrhein-Weeze ist und bleibt im Abseits
Der Mini-Flughafen Niederrhein-Weeze liegt im niederländischen Grenzgebiet. Immerhin besteht aber ein Shuttle-Service nach Kevelaer. Die Kosten in Höhe von jährlich 135 000 Euro tragen die Kevelaer Bürger mit ihrer Wasserrechnung. Denn ihre Stadtwerke finanzieren die Busverbindung,
von der die einzige Fluggesellschaft.
Von Weeze profitiert nur Ryanair. Aber Alimente ist der Airport gewohnt. In den vergangenen Jahren sind in Weeze Millionensubventionen versickert.

In Kassel-Calden teure Fehler vermeiden
Der Kleinstflughafen Kassel-Calden soll für 151 Millionen Euro ausgebaut werden. Die Rentabilität des nur 60 Kilometer entfernt liegenden Airports Paderborn-Lippstadt wird damit endgültig aufs Spiel gesetzt. Mehr denn je müssen Hessen und Nordrhein-Westfalen länderübergreifend denken, um in Sachen Flughafenentwicklung millionenschwere Fehlentscheidungen abzuwenden.

Lufthansa kritisiert Orientierungsprobleme von Ryanair
Die Lufthansa moniert zurecht noch ein weiteres Problem und bezeichnet „Subventionsjäger“ Ryanair als „Airline mit Orientierungsproblemen“. Die Lufthansa schreibt zurecht, dass die Briten auf Kleinstflughäfen Fördergelder abschöpfen und ihre Marktmacht gegen alle Widerstände ausspielen. Zum anderen bewirbt Ryanair ländliche Standorte ungeniert mit Namen klangvoller, aber weit entfernter Metropolen.

Memmingen
Neuestes Beispiel: der „Allgäu-Airport Memmingen“, 120 Kilometer vom Münchner Hauptbahnhof entfernt. Mit dem Bus müssen Reisende, um nach München zu kommen, über anderthalb Stunden Fahrzeit einplanen. Dennoch taufte Ryanair den „Allgäu Airport“ im März 2009 in „München West“ um.

Weeze
Lufthansa beruft sich auf den Flughafens Düsseldorf der bestätigte, dass zahlreiche Reisende regelmäßig am Flughafen Düsseldorf vergeblich ihre Ryanair-Flieger suchen. Sie haben Pech gehabt, denn Ryanair fliegt nur vom über 80 Kilometer entfernten Flughafen Weeze. Die Irritation hat auch einen Grund: Man wirbt auf der Homepage ausschließlich mit dem Namen Düsseldorf. An den Gates der Zielorte ist „Düsseldorf Weeze“ angeschlagen.

Lübeck-Blankensee
Ryanair verkauft Lübeck als „Hamburg-Lübeck“. Die Flughäfen Hamburg und Lübeck sind aber 80 Kilometer voneinander entfernt. Und so wird den Reisen den vermittelt, als wäre Lübeck ein Vorort von Hamburg.

Es ist erfreulich, dass auch die Lufthansa endlich einmal Ross und Reiter nennt. Und die Abzocke? Darüber haben gestern und heute das Auslands-Journal des ZDF (http://auslandsjournal.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,1020465,00.html?dr=1
) und die Börsen-Nachrichten (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/789776?inPopup=true) ausführlich berichtet.