Flughafen Lübeck: Jetzt gehen die Mitarbeiter auf die Straße
Sie sind die Leidtragenden des Streits um den Flughafen Blankensee, die Mitarbeiter. Deshalb muss man für deren Sorgen um ihre Arbeitsplätze auch großes Verständnis entgegenbringen. Auch sie haben das Recht, zu wissen, wohin die Reise geht, nachdem sich Betreiber „Infratil“ im Oktober verabschieden wird. Hoffnung setzen nicht nur die Mitarbeiter auf Ryanair, sondern alle, die daran glauben, dass man mit Ryanair auf der sicheren Seite sei.
Die Versager sitzen im Lübecker Rathaus
Die Kommunalpolitiker, die schon einmal beim Vertrag mit „Infratil“ völlig versagt haben, sind dabei, den Flughafen noch einmal in größte Probleme zu bringen. Stümperhaft und ohne jegliche Fachkenntnisse wollen sie um jeden Preis mit Ryanair verhandeln, obwohl man noch gar keinen Nachfolge-Betreiber für „Infratil“ gefunden hat. Das ist das Problem! Man muss kein Prophet sein, aber Ryanair wird den Amateuren aus dem Lübecker Rathaus Auflagen verordnen, die nichts Gutes für den Flughafen verheißen - und ob man dann überhaupt noch einen Betreiber findet, der sich der Ryanair-Doktrin beugt, ist mehr als zweifelhaft. Zu frisch sind die Erinnerungen an die gnadenlose Strategie der Iren, ihr Bedingungen durchzusetzen wie zuletzt in Hahn und Weeze. Doch die absolute Katastrophe wäre, wenn mangels Interessenten die Stadt Lübeck selbst Blankensee betreiben müsste. Also eine Stadt, die schon Millionen von Steuergeldern aufgrund eigener Misswirtschaft in Blankensee sinnlos vergraben hat.
Und noch eine Frage bleibt zu beantworten, und die stellte Groß Grönaus Bürgermeister Hans-Georg Weißkichel: Warum gibt es bis zum heutigen Tage noch keinen belegbaren Nachweis, dass Blankensee wirtschaftlich betrieben werden kann?
Aussagen, die jeglicher Realität widersprechen
Das rief natürlich wieder einmal Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel auf den Plan, der radikal und unmissverständlich alle Interessen vertritt, nur nicht die der Bürger Lübecks - und auch nicht die der Flughafen-Mitarbeiter, und zwar aus zwei Gründen: Lautstark verkündet er, dass Ryanair drei Flugzeuge in Lübeck stationieren will, und das sei ein Durchbruch. Mit keinem Wort jedoch ging er auf das riskante Spiel eines Vertrags mit Ryanair ein – siehe oben. Und er verschweigt auch, dass eben die genannte Wirtschaftlichkeit des Flughafens mehr als auf wackligen Beinen steht. Und geht Lübeck irgendwann das Geld aus, werden die Mitarbeiter die ersten sein, die darunter leiden werden.
Halbedel steht mit seiner Meinung aber nicht alleine da: Die Bürgerschafts-Abgeordnete Gabriele Hiller-Ohm hat ebenfalls den Bezug zur Realität verloren. Sie sagte den „Lübecker Nachrichten“: „Die Attraktivität des Flughafens für einen neuen Investor wird durch ein Drehkreuz steigen, dann steht der Flughafen noch mal ganz anders da.“ Was für ein Realitätsverlust.
Die Suche nach einem neuen Betreiber
Die Suche nach einem neuen Betreiber wurde europaweit ausgeschrieben, und Interessenten haben noch bis 29. Juni Zeit, sich zu bewerben. Aber man braucht kein Prophet zu sein, dass diese Ausschreibung ein Schuss in den Ofen wird, zumindest was seriöse Interessenten betrifft.
Gefährliches Wunschdenken
Wie unrealistisch man auch am Flughafen selbst ist, zeigt die Aussage, dass man mit einer Verdreifachung der Fluggäste auf 2,1 Millionen im Jahr 2015 rechnet, die Erlöse sich auf rund 13 Millionen Euro verdreifachen und man ab 2011 schwarze Zahlen schreiben werde.
Und von dieser Euphorie hat sich auch der Betriebsrat am Flughafen Blankensee anstecken lassen. Den „Lübecker Nachrichten“ sagte Betriebsratsvorsitzender Torsten Hülse: „Der Flughafen könnte jetzt einen Quantensprung machen!“ Es wird wohl eher ein Sprung in ein neues Millionengrab werden.
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