Airbus-Absturz in den Atlantik - noch so viele offenen Antworten
Nach über einer Woche stoßen die Bergungsmannschaften vermehrt auf Leichen und Trümmerteile. Bis heute Vormittag wurden 24 Tote von 228 Insassen der A330-200 geborgen. Weitere Leichen seien gesichtet worden, teilten die brasilianischen und französischen Streitkräfte mit. Zudem wurden hunderte Wrackteile entdeckt.
Wichtiger Fund: das Seitenleitwerk
Einen wichtigen Fund machte die brasilianische Marine gestern: Sie konnten das Seitenleitwerk der Maschine bergen. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass sich die Blackboxen in der Nähe befinden könnten. Und darauf hoffen alle, um Aufschluss über die Absturzursache zu bekommen.
Das Seitenleitwerk könnte den Ermittlern entscheidende Hinweise auf die Absturzursache liefern. Und noch eines scheint sicher: Videoaufnahmen auf der Website der brasilianischen Luftwaffe zeigen das Leitwerk mit den blau-roten Streifen von Air-France ohne Brandspuren, was bedeutet, das Flugzeug ist bereits in der Luft auseinandergebrochen und wurde in einem Stück vom Rumpf abgetrennt. Wenn die Maschine noch als Ganzes auf dem Meer aufgeschlagen wäre, hätte man nur kleinste Trümmerstücke bergen können, so die Experten.
Warten auf die „Emeraude“
Und dieser Fund macht etwas mehr Optimismus, die Lage der Daten- und der Stimmrekorder einzugrenzen, denn beide Blackboxen sind in der Nähe der Leitwerke eingebaut. Und deshalb warten jetzt alle darauf, dass das französische Atom-U-Boot „Emeraude“ eintrifft, um hoffentlich die Blackboxen nicht nur zu orten, sondern auch mit den unbemannten U-Booten des Forschungsschiffs „Pourquoi Pas“ bergen zu können.
Bei der Ermittlung zur Absturzursache wurde nun bekannt, dass die außenliegenden Instrumente am A330 vereist waren und deshalb die Sensoren falsche Informationen ins Cockpit lieferten.
In der Diskussion um die Absturzursache wird verstärkt die Frage diskutiert, ob der Geschwindigkeitsmesser eine Ursache sein könnte. Man vermutet, dass dieser und weitere Sensoren nicht bei jedem Wetter die genauen und überlebenswichtigen Daten liefern. Tatsache ist, dass in den letzten Minuten des Fluges automatisch 24 Fehlermeldungen an das Wartungszentrum der Air France geschickt wurden. So gaben drei Sonden widersprüchliche Geschwindigkeitsdaten an, dann wurde der Autopilot ausgeschaltet, immer wieder fielen die Bildschirme in der Pilotenkanzel aus, das Flugzeug gab nicht mehr automatisch Gas, und selbst der automatische Ausgleich überstürzter Flugmanöver fiel aus.
Blindflug wahrscheinlich
Vermutlich flogen die Piloten „blind“ durch die Turbulenzen einer tropischen Gewitterfront und hatten so keine Chance mehr, Flughöhe, Geschwindigkeit und Richtung zu bestimmen. Die letzte Meldung an das Air-France-Zentrum zeigte einen Abfall des Luftdrucks in der Kabine an.
Air France will nun binnen Tagen die restlichen umstrittenen Geschwindigkeitsmesser an den Airbus-Maschinen austauschen. Die französische Airline hatte ihre Piloten schon vor Monaten vor Problemen mit den Geschwindigkeitsmessern gewarnt.
Die geborgenen Leichen werden von der französischen Fregatte „Ventôse“ und der brasilianische Fregatte „Constituição“ auf die Atlantikinsel „Fernando de Noronha“ gebracht, um diese dann nach Recife zu fliegen, wo Rechtsmediziner versuchen, sie anhand von Gentests zu identifizieren.
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