Air-France-Katastrophe: Die Bergung der Trümmerteile hat begonnen
Nachdem auch jetzt offiziell Gewissheit über den Absturz der Air-France-Maschine über dem Atlantik herrscht, werden heute die Bergungsbemühungen in Angriff genommen. Marineschiffe wurden in das Seegebiet entsandt, und weitere Flugzeuge der brasilianischen Luftwaffe haben die Suche nach Wrackteilen und Leichen aufgenommen. Ein Awacs-Radarflugzeug soll die Region überfliegen und die Trümmerspur kartografieren.
Ein erstes Schiff der brasilianischen Marine ist am Morgen am Unglücksort eingetroffen. Es wird zu drei Frachtschiffen aus Frankreich und den Niederlanden stoßen, die Kurs auf das Seegebiet rund 500 Kilometer nordöstlich der Inselgruppe Fernando de Noronha genommen haben, in dem zuvor die Wrackteile geortet worden waren. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Paris will Frankreich auch ein U-Boot mit zwei Unterseerobotern entsenden, die in eine Tiefe von bis zu 6000 Metern vorstoßen können.
Die Fundstelle der kleinen Trümmerteile entsprach in etwa dem Ort, von dem aus der Airbus am Montag automatisch den Ausfall mehrerer Geräte sowie einen Druckabfall meldete. Der Fundort könnte darauf hinweisen, dass der Unglücksflieger wegen eines Problems versuchte, nach rechts abzudrehen.
In der Pariser Kathedrale Notre-Dame findet heute eine Messe für die Vermissten des über dem Atlantik verschollenen Air-France-Flugzeuges statt. Auch Präsident Nicolas Sarkozy nimmt teil. In der Großen Moschee von Paris wird der Vermissten in einer eigenen Veranstaltung gedacht. Leider bedarf es oft einer Katastrophe, um Sicherheitslücken zu orten. Das gilt für dieses Unglück.
Radar-Lücken gibt es auch heute noch
Was in der Öffentlichkeit bisher kaum wahr genommen wurde ist die Tatsache, dass es auch heute immer noch Radar-Lücken zwischen den Kontinenten gibt, da die Bodenstationen mit ihren Radarantennen den Luftraum nicht komplett erfassen können. Eine Luftraumkontrolle ohne diese Radar-Lücken hätte das Unglück nicht verhindern können, aber die Lokalisierung der Absturzstelle wäre um eines schneller und genauer gewesen.
Dabei wäre eine Komplett-Kontrolle des Luftraums mit satellitengestützter Luftraum-Überwachung schon lange möglich. Allerdings hätte dies auch seinen Preis. Aber: In militärische Spionagesatelliten wurden bislang Milliarden Dollar investiert, sie dokumentieren alle Bewegungen in den Lüften dieser Erde, auch über dem Atlantik. Vielleicht aber kann im Nachhinein die Auswertung der US-amerikanischen Satellitenaufklärung zur genauen Ortung der letzten Position und der Wrackspuren des Air-France-Fluges AF447 erleichtern.
Deshalb warten viele auf eine Antwort auf die Frage, warum im 21. Jahrhundert nicht auch die Flugsicherheit der zivilen Luftfahrt über ein solches System verfügt? Eine komplette Radarführung und -überwachung des Passagier- und Frachtverkehrs auf der viel beflogenen Atlantikroute – und das sollte eine Lehre des Unglücks sein – muss jetzt in Angriff genommen werden.
Hilfe für die Hinterbliebenen
Für die Opfer und deren Angehörigen kommt dies alles zu spät. Doch wie wird sich das Leben der Hinterbliebenen gestalten? Rein formell gibt es Ansprüche aus dem Montrealer Abkommen, nachdem Fluggesellschaften bzw. Reiseveranstalter bei solch einer Katastrophe immer Schadenersatz zahlen müssen.
In Frankreich ist das Montrealer Abkommen seit 2004 nationales Recht , so dass es auch für die Opfer des Air France-Flugs AF 447 gilt. Die Obergrenze für den Schadenersatz liegt pro Opfer bei etwa 109.000 Euro. Mehr muss nur bezahlt werden, wenn Fahrlässigkeit oder ein sonstiges Verschulden vorliegt und eindeutig nachgewiesen werden kann. Das ist aber meist erst nach langjährigen Gerichtsverfahren möglich. Um sich zu schützen, sind Fluggesellschaften und Veranstalter dagegen versichert.
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