Flughafen Hahn: Ein Bundesland will sich als Unternehmer profilieren
Fast 90 Millionen Euro will der neue Betreiber des Flughafens Hahn investieren. Prima! Könnte man sagen. Doch der Unternehmer ist ein Bundesland und kein privater Investor oder sonst wer. Das heißt, damit sind die Investitionen Steuergelder, von denen niemand weiß, ob sie tatsächlich gut angelegt sind. Erwartet man doch in diesem Jahr ein Defizit der Flughafen Hahn GmbH von mindestens 16,7 Millionen Euro.
Zukunftskonzept Hahn
Wirtschaftsminister Hendrik Hering sagte: „Vor allem im Aufbau eines Fracht- und Logistikparks sehe ich erhebliches Entwicklungspotenzial. Die zentrale Lage zu den Wirtschaftsräumen Westeuropas, ein 24-Stunden-Betrieb mit einer 3800 Meter langen Startbahn, die Verfügbarkeit attraktiver Ansiedlungsflächen und eine schnelle Frachtabfertigung bieten eine herausragende Ausgangsposition.“ Zudem sollen Handel und Gewerbe um das Flughafengelände ausgebaut werden. Und diese Aussage steht unter der Überschrift: „Zukunftskonzept für den Hahn“.
Der Staat als Unternehmer
Da stellt sich einmal mehr die Frage, ob der Staat wirklich der bessere Unternehmer ist? Warum hat Fraport seinen Anteil am Hahn für einen Euro verkauft, wenn die Aussichten doch so rosig sind, wie Hering es darstellt? Der eigentliche Skandal ist aber: Sollte das Ganze schief gehen, dann waren es eben Steuergelder, die man in den Sand gesetzt hat. Verantwortliche werden nicht zur Rechenschaft gezogen.
In den Klauen von Ryanair
Und dann kommt noch die Nibelungen-Treue zu Ryanair dazu. Die Iren sind durch ihre Vormachtstellung die wirklichen Herrscher auf dem Hahn. Die nächste Machtprobe steht bereits vor Herings Bürotüre. Um Kosten zu senken will Ryanair seine Kunden zu Kofferträgern machen. Um den Transport von Mensch und Koffer kostenmäßig zu optimieren, kündigte ein Ryanair-Sprecher an, dass seine Airline plane, künftig auf Gepäckarbeiter verzichten. Passagiere müssten dann ihre Koffer persönlich bis zum Flugzeug tragen und sie nach der Landung direkt aus dem Frachtraum wieder in Empfang nehmen.
Diese Aussage ist keines des üblichen Ryanair-Geschwätzes, es soll auf jeden Fall kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Ryanair auch auf dem Hahn die Muskeln spielen lassen. Viel Spaß dabei, kann man dem Herrn Minister wünschen.
„Wir können das auch alleine packen!“
Als Flughafen-Chef scheint sich Hering doch recht wohl zu fühlen, denn er sagte: „Das Land kann die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH auch mittelfristig selbst führen!“ Ein Finanzinvestor werde nicht gesucht, vielmehr halte das Land nach einem geeigneten „strategischen Partner“ Ausschau. Na dann: „Viel Glück, Herr Flughafen-Direktor!“
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