Neue Diskussionen auf der ILA: Cockpits bald pilotenfreie Zone?
Ein großes Thema auf der ILA in Berlin sind natürlich die explodierenden Ölpreise. Die Flugzeugbauer befürchten einen Rückgang ihrer Aufträge, und die Airlines sind auf der intensiven Such nach weiteren Einsparmöglichkeiten. Und ein Thema sind auch die Personalkosten. Obwohl die Besatzungen schon auf zwei Mann im Cockpit reduziert wurden,
früher waren es bis zu fünf, werden alte Vorstellungen wieder aus der Schublade geholt: Das Flugzeug ohne Piloten!
Rein technisch ist dies schon lange möglich, aber noch sind die Auswirkungen auf das Verhalten der Fluggäste nicht vorherzusagen. Ein Flugzeug ohne Piloten, das treibt wohl den meisten Fluggästen noch den Angstschweiß auf die Stirn. Einen solchen Schritt trauen sich die Airlines (noch) nicht. Doch so intensiv, wie im Moment diese Möglichkeiten diskutiert werden, das gab es noch nie.
Im U-Bahnbereich sind fahrerlose Züge weiter auf dem Vormarsch, und Wissenschaftler in aller Welt forschen am perfekten führerlosen Flugzeug, das es eigentlich schon gibt – nur noch nicht in der Personenbeförderung. Militärisch sind „Unmanned Arial Vehicles (UAVs)“ schon lange im Einsatz, man kennt sie als Aufklärungs-Drohnen in verschiedenen Kriegsgebieten.
Selbst die Europäischen Kommission hat ein Simulations-Experiment, mit fünf Millionen Euro gefördert. Wissenschaftler haben bereits Ende 2006 nachgewiesen, dass ein pilotenfreier Luftverkehr grundsätzlich schon heute möglich wäre. So würden nicht nur Piloten überflüssig, sondern auch Fluglotsen. Ein bisher kaum vorstellbarer riesiger Computer würde alles automatisch steuern.
Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist an den Forschungen beteiligt. Und es gibt bereits einen Testjet, der schon seit Jahren vollautomatisch fliegt. Noch zur Sicherheit mit einem Pilot an Bord, aber die Ergebnisse sind eindeutig: Flugzeuge ohne Besatzung sind keine Fiktion mehr.
Die Fluggesellschaften würden nicht nur Personalkosten senken, auch beim Kerosin sind noch größere Einsparungen möglich. Automatische Anflüge wären so genau, wie sie ein Pilot niemals bewältigen würde. Es gibt gar Experten – und davon gibt es auf der ILA nicht wenige -, die ein leeres Cockpit auch für sicherer halten. Sie behaupten, dass die meisten Unglücksfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien.
Diese Behauptungen sind jedoch heftigst umstritten. Viele Unfälle seien erst durch das Eingreifen von Piloten verhindert worden, meinte ein Sprecher der Lufthansa. Als eine der wenigen Airlines glaubt im Lufthansa-Vorstand niemand an die Vision der leeren Cockpits, und dies wollen die meisten Menschen auch nicht.
Es sei jedoch nochmals daran erinnert, dass es noch gar nicht so lange her ist, als sich niemand vorstellen konnte, dass im Cockpit kein Flugingenieur, kein Navigator und kein Bordfunker sitzen würde. Sicher ist, dass bis auf noch wenige Aufgaben ein Computer alle geforderten Leistungen übernehmen kann.
Dass es bereits ohne Piloten geht, das wird in Asien täglich praktiziert – nicht mit Passagiermaschinen, aber mit Flugzeugen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Und die von dort übermittelten positiven Ergebnisse ließen die großen Frachtkonzerne wie UPS oder FedEx aufhorchen.
Flugzeugbauer bestätigen, dass es vermehrt Anfragen nach Ein-Mann-Passagierflugzeugen gäbe. Die Mindestanforderung an solch eine Maschine wäre jedoch, dass ein vollautomatisches Starten und Landen gewährleistet sei, wenn der Pilot während eines Flugs ausfallen würde.
Ein in der Branche anerkannter Wissenschaftler sagte in Berlin: „In vielleicht 15 Jahren ist ein Flugzeug mit nur einem Piloten im Frachtflugbereich möglich!“ Im Passagierbereich würde es noch lange bei Simulationen bleiben.
Möglich ist aber auch, dass die Airlines ihren Druck auf die Flugzeugbauer so verstärken, dass alles viel schneller geht.
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