Flughafen Frankfurt: Ist der neue Fraport-Chef Schulte wirklich der richtige Mann?
Manchmal sind Interviews entlarvend, wenn sich die Befragten in ihrer Euphorie nicht mehr zurückhalten können. So auch Stefan Schulte, der in vier Monaten der neue Vorstandsvorsitzende von Fraport, Betreiber des Frankfurter Flughafens, sein wird. Er hatte die „große Ehre“ von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) interviewt zu werden. Vielleicht das herausragendste Erlebnis seiner beruflichen Laufbahn. Wir möchten seine bemerkenswertesten Aussagen gegenüber der FAZ unseren Lesern nicht vorenthalten.
Schulte-Aussage: „Fliegen ab Frankfurt ist günstig, aber für 23 Euro sind Flüge dann doch nicht zu haben, denn wir bieten vor allem europäische und interkontinentale Ziele an.“
Da mag stimmen, aber all die anderen auch! Was für eine Aussage.
Schulte-Aussage: „... Wettbewerb ist in Ordnung, aber wir haben durchaus international wettbewerbsfähige Landeentgelte.“
Das sieht aber die Lufthansa anders, sie bemängelt schon lange, die zu hohen Landegebühren im internationalen Vergleich.
Schulte-Aussage: „... Das ist für viele Kunden durchaus auch heute schon ein Kriterium. Für sie soll der Urlaub schon am Flughafen beginnen. Sie kommen ein bis zwei Stunden früher, bummeln die Ladenzeilen entlang und kaufen ein.“
Dies war die Antwort auf die FAZ-Frage „Es wird doch kein Fluggast Frankfurt ansteuern, nur weil man dort bald schön einkaufen kann?“ In welcher Welt lebt Schulte eigentlich?
Natürlich wird an einem Flughafen auch eingekauft, dass man dafür jedoch schon Stunden vorher kommt, das glaubt er selbst nicht. Vor allem auch deshalb, da die Ladenmieten am Frankfurter Flughafen so hoch sind, dass die Verkäufer Preise verlangen müssen, die eher abschrecken als anlocken.
Schulte-Aussage: „Die knapp 6000 Mitarbeiter machen einen exzellenten Job. Aber die Personalkosten sind hier 25 bis 30 Prozent höher als bei dem Konkurrenten Acciona. Das ist zu viel. Wir müssen die Kosten senken, zum Beispiel über weniger Urlaub, Kürzung übertariflicher Leistungen oder andere Maßnahmen. Gibt es keine Einigung, werden wir die Dienste ausgliedern, verkaufen oder schrittweise nicht mehr anbieten können.“
Da wird er sich bei seinen Mitarbeitern alles andere als beliebt machen. Erpressungsversuche, bevor er in Amt und Würden ist. Schon vier Monate vor der eigentlichen „Amtsübernahme“ den Mitarbeitern mit solchen Drohungen zu kommen, das dürfte einmalig sein. Ein Elefant im Porzellanladen ist dagegen ein Ballett-Tänzer.
Schulte-Aussage: „Frankfurt hat einen Marktanteil von fast 70 Prozent aller Interkontinentalflüge nach oder raus aus Deutschland. Das ist unsere Stärke. Das können weder München noch Berlin übernehmen.“
Richtig, noch im Moment, aber mit München und dem neuen BBI hat oder bekommt Frankfurt echte Konkurrenz. Da muss man kein Experte sein, dass es immer mehr Direktflüge aus anderen Städten geben wird, die Frankfurt als Umsteige-Flughafen Flüge abzwacken. Wie viele das sind, weiß man heute natürlich nicht. Aber eine solche Aussage zu treffen ist nichts weiter als eine Schutzbehauptung – auch wegen der neuen Startbahn.
Da müssen sich doch die Verantwortlichen bei Fraport die Frage gefallen lassen, ob Stefan Schulte aufgrund solcher Aussagen wirklich der richtige Mann für diesen Posten ist. Sein Interview mit der FAZ hinterlässt mehr Zweifel als Bestätigung.
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