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24.04.2009 15:43 Uhr

"Was erlauben Ryanair?" Erpressungsversuch gegen das OVG

Was sich Ryanair am Flughafen Weeze erlaubt, sollten alle Flughafenbetreiber der Republik, die auf Ryanair setzen, genau verfolgen. Die Iren schrecken auch vor Erpressungsversuchen nicht zurück.
Am Mittwoch fällte das Oberverwaltungsgericht sein Urteil, mit dem die Start- und Landezeiten am Flughafen Weeze um eine Stunde verkürzt werden. Bereits einen Tag später zeigte Michael O'Leary wieder einmal sein wahres Gesicht: Wenn, wo auch immer, etwas nicht so läuft, wie er es sich wünscht, dann wird ein Erpressungsversuch gestartet. Und gestern versuchte er sogar das Oberverwaltungsgericht Münster zu erpressen.

„Wir werden den Standort Weeze schließen, sollte der Gerichtsentscheid nicht bis zum Mittwoch, 29. April, revidiert werden“, verkündigte O'Learys Sprecherin Anja Seugling. Das ist weit mehr als ein Ultimatum!
Und dass es nicht nur bei Drohungen bleibt, das hat Ryanair schon öfters bewiesen.

Versager, die Bezirksregierung
Damit hat sich auch das Bemühen der Bezirksregierung als Luftblase erwiesen, Ryanair besondere Flugzeiten einzuräumen. Muffensausen auf den Sesseln der unentschlossenen Beamten. Um nicht ganz als Ryanair-Abhängige dazustehen, hatte man auch „Hamburg International“, beide Airlines sind auf Weeze stationiert, eine Ausnahme-Regelung erlaubt: Sie sollten zwischen 5.30 und 23 Uhr starten und landen dürfen. In Notfällen sollten sogar Flugbewegungen bis 24 Uhr möglich sein. Doch diesem Ansinnen folgte das Gericht nicht, sondern gab den Klägern recht: Ab sofort dürfen Flugzeuge ausnahmslos nicht mehr vor sechs Uhr in Weeze starten. Mit Eilanträgen hatten Kläger Änderungen der Flugzeiten gefordert. Starts und Landungen werden ab sofort nur noch zwischen sechs und 22 Uhr erlaubt sein.

Die Drohungen von Ryanair
In Weeze wurde die Aufregung nach der Ryanair-Nachricht noch größer, denn Ryanair befördert schließlich 2,5 Millionen Passagiere, und an Ryanair hängen Schätzungen zufolge 2500 Arbeitsplätze. Dabei ließ Ryanair keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Pläne. Die Airline hat seit Mittwoch keine Buchungen mehr für Reisen ab dem 2. Mai von und nach Weeze angenommen.

Die Zukunft des Flughafens ist ungewisser denn je
Es sei daran erinnert, dass das Oberverwaltungsgericht dem Flughafen im Januar 2006 die Betriebserlaubnis entzogen hatte. In der nächst höheren Instanz verwiesen die Richter am Bundesverwaltungsgericht das Verfahren 2008 wieder nach Münster zurück. Dort muss nun geprüft werden, ob die Bezirksregierung die fehlerhafte Betriebsgenehmigung nachbessern kann. Der Betrieb des Flughafens darf bis zu einer Entscheidung weitergeführt werden. Die Bezirksregierung wollte mit den neuen zweifelhaften Betriebszeiten die Erfolgschancen vor Gericht erhöhen. Eine Entscheidung im Hauptsache-Verfahren steht noch aus.

Lehrstück für andere Ryanair-Flughäfen
Besonders die Ryanair-Jubelgesänge am Flughafen Lübeck-Blankensee und am Flughafen Memmingen dürften spätestens jetzt verstummen. Wenn man hier nicht nach der Ryanair-Pfeife tanzt, wird die Betreiber ein ähnliches Schicksal ereilen.