Nach drei Monaten ist es an der Zeit, einmal eine Bilanz über den Zustand der neuen Alitalia zu ziehen. Man kann diese Bilanz mit einer Überschrift der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ betiteln: „Es geht es um das Überleben der Airline!“
Die Hoffnungen waren trügerisch
Warum? Der eingeschlagene Weg einer erfolgreichen Sanierung hat bisher keinen, aber auch gar keinen Fortschritt gebracht. Die Sanierung ist wie eine Seifenblase geplatzt, und in Wirklichkeit weiß niemand, wie es weitergehen wird. Zwar hat man die internationalen Flugrouten um 25 Prozent zusammengestrichen, aber auf die roten Zahlen hat dies kaum positive Auswirkungen gehabt.
Schuld sind falsche Prämissen
Der Fehler war, wir haben schon mehrfach darüber berichtet, dass die neuen Manager zu sehr auf den inneritalienischen Markt gesetzt haben – und genau der trägt die Schuld an der katastrophalen finanziellen Situation. Allen Warnungen zum Trotz hat man die Konkurrenz im eigenen Land unterschätzt. Ausgerechnet auf der Strecke Rom-Mailand, wo man sich große Gewinne versprach, hat die Konkurrenz der neuen Alitalia einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der neue Trenitalia-Schnellzug „Freccia rossa“, ist zu einer Erfolgsgeschichte und zu einer bevorzugten Alternative zum Flugzeug geworden. Die Bahnfahrt von Rom nach Mailand dauert auch nur etwa 3,5 Stunden, und es entfallen die An- und Abreisezeiten zu Flughäfen. Besonders der hohe Komfort und der ausgezeichnet Service hat viele Reisende bewogen, vom Flugzeug auf die Bahn zu wechseln.
100.000 Passagiere in den ersten vier Wochen an die Bahn verloren
Ein Alitalia-Sprecher sagte: „Wir hätten niemals gedacht, dass wir auf dieser Strecke solche Einbußen erleiden würden!“ Die neue Alitalia soll im ersten Betriebsmonat 2009 rund 100.000 Passagiere an den Schnellzug "Freccia rossa" verloren haben. Hinzu kommt, dass seit wenigen Tagen auch die Lufthansa mit einem Kampf-Tarif die Strecke Rom-Mailand fliegt, mit dem die Alitalia nicht mithalten kann. Es ist die „Rache-Aktion“ der Lufthansa, dass man bei der Alitalia nicht einsteigen durfte.
In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass man vom neuen Alitalia-Partner Air-France überhaupt noch nichts gehört hat, obwohl man bereits vor einigen Wochen die Aufsichtsratsposten bezogen hat.
Vertragsbruch gegenüber den Mitarbeitern
Entscheidende Fehler im Umgang mit den Mitarbeitern, indem man kaum eine vertragliche Vereinbarung eingehalten hat, sorgen für neue Streiks.
Am 8. April wollen die Einzelgewerkschaften der Piloten und der Flugbegleiter die Arbeit niederlegen. Der Vorwurf: Die von der Alitalia-Holding CAI mit ihnen geschlossenen Vereinbarungen würden von Alitalia nicht eingehalten. Forderungen, wonach Air France sofort die Führung der Alitalia übernehmen soll, werden immer lauter.
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