Russlands Airlines im Kampf gegen den Alkohol - ein Kampf gegen Windmühlen!
Liebe Freunde der zivilen Luftfahrt,
wer seinen Kater vom Rosenmontag überwinden muss der weiß, was Alkohol anrichten kann. Gut, auch der Überflieger kennt Leute, die erst nach zwei oder drei Gläsern Wodka richtig nett werden, aber er kennt auch Leute, die nach dem „Genuss“ von Alkohol sehr aggressiv werden.
Die letztere Erfahrung müssen vermehrt auch die russischen Fluggesellschaften machen. Sie diskutieren bereits mit den politisch Verantwortlichen darüber, ob man in russischen Flugzeugen ein generelles Alkoholverbot einführen soll.
Um dieses Ansinnen zu unterstreichen, haben Sie jetzt in den russischen Medien eine Aufklärungskampagne gestartet, und zwar mit zum Teil deftigen Beispielen, die ein Alkoholverbot rechtfertigen sollen. Diese möchte der Überflieger seinen Lesern nicht vorenthalten.
Fall 1:
Geklauter Schneepflug
Vor einigen Wochen enterte ein Betrunkener Passagier einen Schneepflug, der auf dem Flughafen von Kaliningrad stand. Mit ihm durchbrach er sämtliche Absperrungen, fuhr auf das Rollfeld und versuchte den Piloten einer startenden Maschine zu zeigen, dass ein Schneepflug schneller ist. Während wir als Außenstehende darüber schmunzeln, war den Passagieren nicht zum Lachen zumute. Zum Glück war das Flugzeug doch schneller und der Schneepflug konnte vom Bodenpersonal gestoppt werden.
Fall 2:
Ein Betrunkener biss Ehefrau und Stewardess
Das ist gar nicht zum Lachen: Eine russische Maschine, die ins israelische Urlaubsparadies Eilat unterwegs war, entging nur sehr knapp einem Absturz und damit einer Katastrophe. Grund war ein betrunkener Passagier. Er war wütend, da seine eigene Ehefrau und eine Stewardess seine plumpen Annäherungsversuche abwehrten. So biss er beide Frauen kräftig in deren Hinterteil und versuchte dann, wegen vergebener Liebesmühe, den Notausstieg über den Tragflächen öffnen.
Fall 3:
Aus den Sitzen Kleinholz gemacht
Zwei russische Seeleute, die auf einem Flug von den USA nach Frankfurt waren, verzogen sich mit einer Flasche Wodka auf die Bord-Toilette um dort zu rauchen. Alarmiert von Passagieren musste sich die Besatzung über dem Atlantik gewaltsam Zutritt zur Bord-Toilette verschaffen. Zu ihren Sitzen gewaltsam zurückgebracht, schlugen sie diese kurz und klein.
Erste Maßnahmen wurden ergriffen
Aufgrund solcher Vorfälle, von denen hier nur drei beispielhaft genannt seien, reagierte die russische Transportpolizei mit einem Erlass, der das Boden- und Sicherheitspersonal ermächtigt, Angetrunkene schon beim Einchecken aus dem Verkehr zu ziehen. Das russische Innenministerium drängte daraufhin die Airlines, ein generelles Alkoholverbot an Bord und auf den Flughäfen einzuführen.
Handlungsbedarf scheint reichlich vorhanden. Allein im vergangenen Jahr kam es auf Flügen innerhalb Russlands zu über 50 aktenkundigen Ausnahmesituationen, bei denen Alkohol die Ursache war. In diesen Zahlen sind die berüchtigten Ferienflieger noch gar nicht eingerechnet.
Die russischen Gesetze sind viel zu schlaff
In Fällen, in den keine Notlandung notwendig war, kommen die besoffenen Randalierer in der Regel mit einer Strafe von umgerechnet zwölf Euro davon. Sie verstoßen lediglich gegen das Gesetz des Rowdytums, das keine höheren Strafen vorsieht. Man will in Russland wohl die Wodka-Abhängigen nicht kriminalisieren.
Nur dann, wenn ein Pilot zu einer Notlandung gezwungen wird, sind die Strafen höher, aber eine Gefängnisstrafe hat deshalb noch kein russischer Passagier bekommen. Eigentlich mehr eine Aufforderung zum Saufen als eine Abschreckung. Eine empfindliche Geldstrafe erhielt, soweit dem Überflieger bekannt, lediglich ein betrunkener Passagier, der versuchte, die Tür zum Cockpit aufzubrechen und der Pilot in Prag eine Notlandung machen musste.
Keine Überraschung bei Umfragen
Für ein Alkoholverbot an Bord russischer Flugzeuge sprachen sich bei Umfragen nur 46 Prozent aus, das ist aber nicht überraschend, denn Wodka ist ein russisches Kulturgut, das man in der Regel 24 Stunden am Tag zu sich nimmt.
Der Überflieger, der Wodka und ein Fußballspiel
Der Überflieger hat in der vergangen Woche einen tiefen Einblick in die russische Seele bekommen. Zusammen mit russischen Bekannten hat er das Fußballspiel St. Petersburg gegen den VfB Stuttgart angeschaut. Vor dem Spiel wurde mit Wodka auf das Spiel getrunken. Verfehlte St. Petersburg knapp das Tor, wurde jedes Mal die Enttäuschung hinunter gespült, ebenso beim Stuttgarter Tor. Die Halbzeit wurde im 5-Minuten-Takt mit Wodka überbrückt. Die zweite Spielhälfte schloss nahtlos an die erste an, und nach dem Ende wurde der Sieg von St. Petersburg erst richtig begossen.
Trotz einiger Tricks konnte auch der Überflieger nicht immer verzichten – und trotz seiner Zusage, dass man das Rückspiel wieder gemeinsam anschaut, hat er einen Rückzieher gemacht – aus gesundheitlichen Gründen.
Es sei noch bemerkt, dass sich die trinkfreudige Gesellschaft aus russischen Journalisten, einem Botschafts-Angestellten, russischen Musikern und sogar einem Ballett-Tänzer zusammensetzte, der am nächsten Tag wieder auf die Bühne musste. Und: Von den sieben Russen waren drei Frauen.
Nachbetrachtung
Doch das ist nicht der Grund dafür, dass Sie jetzt zwei Wochen auf den Überflieger und den Newsletter verzichten müssen. Grund ist, dass wieder zwei Drittel unserer Redaktion nach Dubai reisen – und deren Geschichten und deren News sind auf „Reiseziel Dubai“ nachzulesen. Den Newsletter mit dem Überflieger gibt es wieder am 17. März.
Ein Gläschen Wodka in Ehren kann auch Aeroflot nicht verwehren
So wundert es nicht, dass der Vize-Generaldirektor der Aeroflot, Lew Koschljakow, sagte: „Ein Gläschen Wodka an Bord gehört zum guten Ton!“ Naja, gegen ein Gläschen kann man nicht viel sagen. Ob das generelle Alkoholverbot kommt, das darf schon aus Gründen der russischen Trink-Kultur eher bezweifelt werden. Hauptsache die Piloten trinken Wasser!
Einen allseits klaren Kopf – mit und ohne Alkohol – das wünscht Ihnen bis nächste Woche
Ihr Überflieger
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