Air Berlin feierte auf der ITB ihr 30-jähriges Bestehen, aber vor allem sich selbst. Die Teilnehmer staunten, dass Chef Joachim Hunold seine Airline als Gewinner der Wirtschaftskrise gepriesen hat. Kein Wort verlor er darüber, wie es um die Auseinandersetzungen mit der dba und die Streichungen von Langstreckenflügen steht. An einem Jubiläumstag spricht man eben nicht gerne über die vorhandenen Probleme.
Ein Rückblick lohnt sich
Am 28. April 1979 hob die erste Air-Berlin-Maschine in Richtung Palma de Mallorca ab. Air Berlin hat sich deshalb einiges einfallen lassen, um in ihrem Jubiläumsjahr bei potentiellen Kunden schönes Wetter zu machen: Unter dem Motto: "Lächeln und Herzlichkeit inklusive" gibt es 30 Wochen lang verschiedene Aktionen.
Joachim Hunold lobt sich immer wieder gerne selbst, aber auch die Streckennetzerweiterung seiner Airline durch die Übernahme der Fluggesellschaft „dba“ im Sommer 2006. Typisch für Hunold ist jedoch, dass er mit keinem Wort zu den heftigen Angriffen ehemaliger dba- Mitarbeiter gegen ihn selbst einging. Hunold versprach einst, bei der Übernahme der „dba“ adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten für Piloten und Flugbegleiter. Doch diesem Versprechen folgten nicht die Taten.
Anfang Februar warf die Gewerkschaft ver.di Air Berlin vor, statt einer Integration in die bisherigen Arbeitsbedingungen, ausschließlich Neu-Einstellungen zu beabsichtigen. Für das Kabinenpersonal würde dies zu einer Einbuße bis zu 1000 Euro Gehalt im Monat sowie den Verlust von Urlaubstagen, freien Tagen und Ansprüche aus der Altersversorgung bedeuten. Dies wurde von Air Berlin allerdings dementiert.
Hunold verschwieg aber auch, dass sein großes Vorhaben, die Langstreckenflüge per LTU, ein Flop wurde. Hunold betonte, dass er sich nicht von der Grundstrategie des Langstreckennetzes verabschieden würde, jedoch weniger profitable Strecken kürzen ließe. Dem widersprechen jedoch selbst Aussagen seiner engsten Mitarbeiter, die einen Abschied von der Langstrecke prognostizieren.
Es kommt aber noch besser: „Air Berlin sieht sich von der Wirtschaftskrise nicht betroffen. Man kann auch als Gewinner daraus hervor gehen“, sagte Hunold am Montag. Er sieht den Vorteil darin, dass vor allem „Kostensparer“ mit Air Berlin fliegen. Das mag in manchen Fällen sogar zutreffen, aber billig fliegen kann man heute mit Air Berlin auch nicht mehr.
Zu einer Prognose über den Air-Berlin-Aktienkurs wollte Hunold sich nicht äußern. Und das ist auch gut so! Trotzdem: Glückwunsch Air Berlin, auch wenn das Allermeiste nicht Gold ist, was Hunold als solches verkaufen wollte.
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