Bereits am 5. August 2008 haben wir über die Gefahren auf dem Flughafen Berlin-Tegel berichtet (
http://www.airline-bewertungen.eu/airlinenews/airlinenews-509.html), denn unter weiten Teilen des Flughafengeländes liegen noch scharfe Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Bereits in unserem ersten Bericht zitierten wir Experten, die davor warnten, wenn ein Flugzeug von der Rollbahn abkommt, könnte es zu Explosionen kommen.
Vor einigen Tagen nun bestätigte dies indirekt die Berliner Senatsverwaltung, dass auf dem Flughafen Tegel von im Boden lagernder Munition Gefahr für den Flugverkehr ausgehen könnte. Und zwar dann, wenn ein Flugzeug in den Boden der Randstreifen der Start- und Landebahnen kommt.
Gutachten, Experten und ein hilfloser Senat
Ein Gutachten kommt zu dem Schluss: ... dass „in den Sicherheitsbereichen der Start-, Lande- und Rollbahnen im Falle einer Havarie mit Eingriff in den Boden die Möglichkeit der Umsetzung von im Boden befindlichen Kampfmitteln besteht.“ Experten gehen davon aus, dass ein Flugzeug, das mit seinem Fahrwerk im Erdreich neben den Bahnen aufkommt, die Munition zur Detonation bringen könnte. Bis vor einigen Tagen hieß es aber von der Senatsverwaltung, dass es nach menschlichem Ermessen keine Gefährdung gebe kann.
So ganz will der Senat die Gefahr immer noch nicht erkennen, denn eine Sprecherin erklärte, „dass es ja bislang auch keine gefährlichen Vorkommnisse aufgrund der Munitionsbelastung gegeben habe“. So stellen sich in Berlin viele die Frage, ob erst ein Unglück geschehen müsse, um diese unhaltbaren Zustände zu beseitigen.
Erst jetzt wird das Problem in Ausschüssen behandelt
Endlich kam das Thema vorgestern wieder auf die Tagesordnung des zuständigen Verkehrs- und Stadtentwicklungsausschusses: „Die Munitionsbelastung des Flughafens Tegel“. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer teilte auf Anfrage mit, dass 2005 im Rahmen des Gutachtens 50 Testfelder und 25 Einzelpunkte auf dem Flughafen Tegel untersucht worden waren und „nur eine sehr geringe Kampfmittelbelastung“ festgestellt wurde.
Unbegreifliche Konsequenzen
Die Konsequenzen klingen unglaublich: Die Tiefbaubehörde hat eine Anordnung erlassen, dass nur dann eine sogenannte „Kampfmittelberäumung“ stattfinden muss, wenn in den Boden eingegriffen werden muss. Dies sei in absehbarer Zeit der Fall, wenn im Rahmen der geplanten Verbreiterung der Rollwegkurven Kampfmittel geräumt werden. Entsprechende Aufträge an Fachfirmen seien in Arbeit.
Ein Gutachten warnt
Ein Gutachten aus dem Jahre 2005 beinhaltet, dass 1909 verschiedenste Kampfmittel bei der Untersuchung der ausgewiesenen Testfelder gefunden wurden. Interessant ist auch das Fazit des Gutachtens eines renommierten Berliner Büros: „Die festgestellte Konzentration stellt zwar keine unmittelbare Gefährdung des Flugbetriebes dar, ist jedoch in Kenntnis des Gefahrenpotenzials und der Nutzung als Flugplatz nicht akzeptabel.“
Das Thema „Munitionsbelastung des Flughafen Tegels“ und das entsprechende Gutachten werden jetzt auch den Bauausschuss des Abgeordnetenhauses beschäftigen. Denn nach wie vor steht die Frage im Raum, warum das Gutachten von 2005 in den Sicherheitsbereichen der Start- und Landebahnen sowie Rollwege „objektive Gefahrensituationen“ konstatiert, die Senatsverwaltung diese aber klein redet und ignoriert.
Es ist kaum zu glauben, wie man mit einem solchen Sicherheitsrisiko in Berlin umgeht.
Pikant ist jedoch, daran sei noch einmal erinnert, dass der gefährlichste Bereich im Umfeld der Flugbereitschaft der Bundesregierung liegt, aber auch von ihr werden keine Anstalten gemacht, um die Situation zu „entschärfen“, obwohl der Herr Innenminister so viel Wert auf Sicherheit legt.