Flughafen Hahn: Auf dem Weg in die Geiselhaft von Ryanair?
Als heute Morgen bekannt wurde, dass Ryanair unverändert auf Hahn bleibt, schien dies auf den ersten Blick eine gute Nachricht für den Flughafen zu sein. Doch bei genauerem Hinsehen hat sich die Lage eher verschärft. Kurt Beck und sein Wirtschaftsminister gingen vor den Iren in die Knie und kündigten an, dass Rheinland-Pfalz dem sogenannten „HahnTaler“ die Zustimmung verweigern werde. Damit hat man sich jetzt den nicht nur den Zorn von Fraport zugezogen, sondern auch Roland Koch, von Beruf Ministerpräsident von Hessen, auf den Plan gerufen.
Roland Koch versus Kurt Beck
Roland Koch konterte, indem er mit einem Ausstieg des Landes Hessen am Flughafen Hahn drohte, wenn der „HahnTaler“ nicht eingeführt werde, wird Hessen sich von der Hahn-Beteiligung zurückziehen und die Rückzahlung der dort investierten Mittel von Rheinland-Pfalz fordern. Hessen halte Flughafengebühren für erforderlich, um den Flughafen profitabel zu betreiben. Wenn Rheinland-Pfalz dies ablehne und Defizite akzeptiere, müsse Hessen aus der Betreibergesellschaft ausscheiden. Hessen wolle nicht die Strukturpolitik eines anderen Bundeslandes finanzieren.
Zahlen, die für sich sprechen
Einige Fakten: Mit den drei Euro, die die Frankfurt-Hahn Flughafen GmbH von jedem Passagier erheben will, um Hahn doch noch in die Gewinnzone zu bringen, ist der Streit unter den Gesellschaftern voll entflammt.
Rheinland-Pfalz und Hessen halten jeweils 17,5 Prozent der Anteile am Flughafen. Fraport hält 65 Prozent der Anteile. Alleine 2008 meldete Fraport ein Minus von 20 Millionen Euro auf Hahn.
Ryanair lässt die Muskeln spielen
Dann kam die Drohung von Ryanair, sechs Maschinen von Hahn abzuziehen und schloss weitere Schritte nicht aus. Daraufhin kündigte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) gestern an, es werde den sogenannten „HahnTaler“ nicht geben. Damit gingen er und Kurt Beck vor Ryanair in die Knie, denn ohne Ryanair könnte der Flughafen dicht gemacht werden.
Fraport: Es müssten eigentlich sieben Euro sein
Nun wurde heute auch bekannt, dass Fraport wohl mit spitzem Stift noch einmal nachgerechnet hat und zum Ergebnis kam, dass drei Euro viel zu wenig seien und man eigentlich sieben Euro verlangen müsste, um aus den roten Zahlen zu kommen.
Gefahr für Arbeitsplätze
Es stellt sich immer mehr heraus, dass auch Hahn, wie viele andere deutsche Flughäfen, alleine nicht überlebensfähig ist. Hahn ist schon heute ein weiteres Millionengrab ohne realistische Aussichten auf Besserung. Was Rheinland-Pfalz vor hat, das geht wieder einmal auf Kosten der Steuerzahler, dabei darf man aber nicht vergessen, dass etwa 3500 Arbeitsplätze am Flughafen selbst und weitere 4500 Jobs in umliegenden Unternehmen vom Flughafen abhängen.
Und das heißt, Rheinland-Pfalz sieht Hahn volkswirtschaftlich, Fraport dagegen betriebswirtschaftlich. Beides ist nicht machbar, denn wie man es auch dreht und wendet, der Flughafen Hahn wird kaum in die Gewinnzone kommen können, das hat auch Fraport erkannt, und volkswirtschaftlich bedeutet nun einmal, auch wenn man dadurch evtl. Arbeitsplätze sichert, der Steuerzahler muss Millionen für einen Flughafen bezahlen – also ein Millionengrab.
Geiselnehmer Ryanair?
Über allem jedoch schwebt Ryanair und damit die Abhängigkeit des Flughafens von nur einer Airline. Und dass sich Kurt Beck auf ein solches Spiel einlässt, das ist nicht nachzuvollziehen. Deshalb muss man der Argumentation der Lufthansa folgen, die immer wieder den Betreibern des Flughafens Hahn vorwirft, Ryanair unzulässig zu subventionieren. Zitat eines Lufthansa-Sprechers: „Der Flughafen Hahn hat sich offenbar in „die Geiselhaft“ der Iren manövriert.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
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