In keinem italienischen Geschichtsbuch fehlt ein Datum: der 5. Mai 1947, der Tag an dem die erste Maschine der Alitalia von Turin nach Catania geflogen ist. Alitalia wurde zum Stolz einer ganzen Nation, wurde zur Airline der Päpste, der rassigsten Italienerinnen – und nicht wenige flogen nur der ausgewählt attraktiven Stewardessen wegen mit Alitalia.
Alitalia: „offizieller“ Sexbomben-Transporteur
Der Start der Alitalia war auch der Start für ein ganzes Land in eine neue Zukunft, weg vom Faschismus hin zur Demokratie auf italienische Art. Übrigens: Der Name Alitalia setzt sich aus den Worten „Ali“ (Flügel) und „Italia“ zusammen – also waren deren Flugzeuge die „Flügel Italiens“.
Alitalia war in den 1950er-Jahren auch ein Symbol für das italienische Dolce Vita. Und alle damaligen großen Filmstars flogen nur Alitalia. Unzählige Bilder aus dieser Zeit hängen noch heute in vielen Bars oder in den Spints der Arbeiter: Gina Lollobrigida, Sophia Loren oder Anita Ekberg auf der Gangway von Alitalia-Maschinen tief dekolletiert – und Alitalia wurde zum „offiziellen“ Sexbomben-Transporteur.
Als man an Bord noch kochte
Es war die Glanzzeit von Alitalia, und der Begriff „Touristenklasse“ wurde aus dem Vokabular gestrichen. Die Schönen dieser Welt wurden an Bord verwöhnt, zum Beispiel durch eine eigene Bordküche, in der noch richtig gekocht wurde. Italiens beste Köche bekochten in 10.000 Meter Höhe ihre Promis - und man sagt, dass es auf manchen Flügen außer Champagner nichts anderes zu trinken gab.
Airline der Päpste
Papst Johannes Paul II. wurde Ende der Siebzigerjahre das berühmteste Werbesymbol. Wenn er irgendwo auf der Welt die Gangway herunter schritt, um die Erde zu küssen, strahlte hinter ihm das Alitalia-Logo. Auch der deutsche Papst fliegt noch mit Alitalia – und das wird wohl auch so bleiben. Aber auch die Stellvertreter des Herrn konnten den Untergang der Alitalia nicht verhindern.
Das Ende von Glanz und Gloria
Doch Glanz und Gloria endeten Ende der 1970er-Jahre, als die erste Ölkrise und eine herbe Rezession die Welt heimsuchte. Nahm das Reiseaufkommen bald wieder zu, war der Nationalstolz aller Regierungen am beginnenden Untergang der Alitalia schuld.
Europaweit hatten Staaten ihre Fluggesellschaften privatisiert und schlossen untereinander verschiedene Bündnisse, nur Alitalia wollte aus Stolz alleine weiterfliegen.
Der einstige Präsident der Alitalia, Fausto Cerati, brachte es in einem Interview auf den Punkt: „Der Grund für das Hinterherhinken war die starke Präsenz des Staates im Kapital, aber auch im Management von Alitalia.“
Die Mitschuld der Politik
Vor allem die Politik mit ihrer Macht verhinderte jegliche Gelegenheit, dass neue Bündnisse geschlossen wurden. Ein Beispiel: Ende der 1990er-Jahre scheiterte eine Fusion mit der KLM, weil sich die Regierung weigerte, den Flughafen Malpensa zu einem attraktiven europäischen Drehkreuz auszubauen. Und ohne attraktives Drehkreuz wollten die Niederländer nicht.
Bis zum heutigen Tage mischten sich Politiker aller Parteien in die Geschäftspolitik der Alitalia ein. Erinnert sei an das Frühjahr 2008 und an Silvio Berlusconi der sagte, er werde im Fall seiner Wahl eine nationale Allianz von Unternehmen schmieden, die Alitalia retten würden. Damit torpedierte er die Verhandlungen zwischen den mächtigen Gewerkschaften und Air France/KLM.
Die Privilegien der Mitarbeiter
Doch die Verhandlungen wären so oder so gescheitert, denn die Gewerkschaften beharrten auf den Privilegien ihrer Mitglieder. Einige Beispiele: Piloten haben 45 Tage Urlaub im Jahr, Stewardessen bekommen einen zusätzlichen Tag Urlaub Monat für Monat, um über Verbesserungsvorschläge nachzudenken, etwa sieben Millionen Euro jährlich kostet der Service, dass Alitalia-Mitarbeitern ihr Gepäck kostenlos nach Hause geliefert wird, nochmals 13 Millionen Euro zahlt Alitalia an Hotelkosten für Mitarbeiter, die in Mailand arbeiten, aber weiterhin in Rom leben möchten.
Und am 13. Januar soll ein neues Zeitalter beginnen
Und nun soll morgen der große Tag der neuen Alitalia erfolgen – allerdings gibt es noch keine konkreten Flugpläne, und noch immer wehren sich die Beschäftigten am Boden gegen die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne. Der morgige Start wird von Streiks begleitet sein – wahrlich kein gutes Omen für einen Neustart in die Zukunft.
Man darf gespannt sein, wie sich die Investoren der CAI in Zukunft verhalten werden, denn vor allem sie sehnen sich wieder nach den alten Zeiten von Glanz und Gloria.
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