Hallo, liebe Freunde der Luftfahrt,
der Überflieger hat einen netten Leserbrief bekommen, in dem der Schreiber meint, in den News und auch in meiner Post würde mit der Lufthansa zu hart ins Gericht gegangen.
Zugegeben, man kann das so sehen, und dies tun bestimmt auch viele andere unserer User. Darauf möchte heute gerne einmal eingehen.
Beispiel: die Lufthansa-Aktie
Wie man weiß, gibt es ein Gesetz, dass die Lufthansa aufgrund von Hohheitsrechten zu mehr als als 50 Prozent im Besitz der Bundesrepublik Deutschland sein muss. Also im Besitz der Bürgerinnen und Bürger. Und die haben deshalb auch ein Recht, „ihre“ Airline kritisch zu begleiten. Im Jahresverlauf ist der Aktienkurs von 18,60 Euro auf 11,40 Euro abgesackt und lag sogar schon bei 8,88 Euro. Das heißt, dass auch die Börsianer die Lufthansa immer kritischer sehen.
Warum? Der Kaufrausch von CEO Mayrhuber wird immer kritischer gesehen, an der Börse spricht man davon, dass die Risiken der Expansion zu groß seien. Man spricht auch davon, dass sich die Lufthansa damit verzetteln würde.
Die Macht des CEO
Dass die Aktie dermaßen in den Keller rauschte liegt natürlich auch am ungünstigen Umfeld, aber die Skepsis, was die Zukunft betrifft, steigt praktisch täglich. Wolfgang Mayrhuber hat sich praktisch die Alleinherrschaft über Deutschlands größte Fluggesellschaft gesichert. Eine Tatsache, die für einen Konzern dieser Größe völlig ungewöhnlich ist. Sein Wort ist Gesetz, seine Mitarbeiter seine Werkzeuge. Und er ist ein Machtmensch, dem kein Hindernis zu hoch ist.
Ein Beispiel, das in den News ebenfalls kommentiert wurde, ist Alitalia. Die Kanzlerin hatte sich bei Berlusconi persönlich dafür eingesetzt, dass die Lufthansa Partner der Alitalia werden sollte. Doch Angela Merkel ist nicht die Kanzlerin des Österreichers Mayrhuber, den dies gar nicht interessierte und sein Interesse an der Alitalia nur noch zum Schein aufrecht erhielt.
Wie sonst ist es zu erklären, dass er nur einige Tage später die Gründung der „Lufthansa Italia“ verkündete. Nichts weiter als eine Kampfansage an die neue Alitalia und den vermutlich neuen Partner Air France. Dieses Verhalten hat in der Branche zu heftigem Kopfschütteln geführt, obwohl strategisch nachvollziehbar.
Noch kritischer wird jedoch Mayrhubers Vorgehen in Sachen Austrian Airlines gesehen. Systematisch wurde schon lange vorher mit Andreas Bierwirth ein „Trojanisches Pferd“ in der Schaltzentrale der AUA plaziert. So war man, im Gegensatz zur Konkurrenz, mit einem riesigen Wissens-Vorsprung ausgestattet. Trotzdem gab es monatelang keine offizielle Stellungnahme der Lufthansa, was man eigentlich plane.
Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Feierlichkeiten anlässlich der Aufnahme von EgyptAir in die Star Alliance. Mayrhuber inszenierte sich selbst. Er schwebte als letzter über Luxur ein und lehnte es ab, neben Alfred Ötsch, von Beruf CEO der AUA, zu sitzen. Ja es ging sogar soweit, dass er mit seinem Landsmann demonstrativ kein Wort wechselte.
Brauchte er natürlich auch nicht, zu diesem Zeitpunkt telefonierten beide fast täglich miteinander, um die Strategie zur Übernahme der AUA durch die Lufthansa zu besprechen, damit die Konkurrenz ja nicht den Hauch einer Chance erhalten würde. Mayrhuber und Ötsch bereiteten gemeinsam das Bett, in das die AUA gelegt werden sollte.
Schritt für Schritt wurde auch der politische Weg organisiert. Das Ergebnis: Der österreichische Staat übernimmt einen Großteil der AUA-Schulden. Doch dieses Ränkespiel hat die Konkurrenz locker durchschaut und Klage bei der EU-Kommission eingereicht. Alfred Ötsch persönlich sorgte dafür, dass nur ein Teil der betriebsinternen Informationen an die Air France oder an die russische S9 weitergegeben wurden, während die Lufthansa schon lange alle Interna kannte.
Sparen auf Kosten der Mitarbeiter
Ich möchte noch ein Beispiel nennen. Auch die Lufthansa ist zu Einsparungen gezwungen, weshalb sie vernünftiger Weise Maschinen stillgelegt hat. Doch Wolfgang Mayrhuber persönlich hat die Marschrichtung vorgegeben, dass man vor allem die Personalkosten senken müsse. Dabei haben die Mitarbeiter Milliardengewinne erarbeitet. Die Lufthansa, mit dem vielleicht am besten ausgebildeten Personal aller Airlines überhaupt, hat es sich durch das ziemlich arrogante Verhalten ihres Chefs während des Streiks im Sommer viele Sympathien verscherzt. Das Ansehen von Mayrhuber bei seinen Mitarbeitern hat einen historischen Tiefstand erreicht. Eine Fortsetzung dieser Linie hat es nun dadurch gegeben, dass man Fraport aufforderte die Preise für die Arbeiten am Boden zu senken. Und Fraport, an der die Lufthansa selbst beteiligt ist, kam so unter Druck, dass man versucht, einen Großteil der Mitarbeiter in andere Gesellschaften auszugliedern und zu wesentlich schlechteren Bedingungen wieder einzustellen.
Liebe Freunde der Lufthansa, auch der Überflieger erkennt die Leistungen der Lufthansa an. Aber er macht sich auch seine Gedanken über deren Zukunft. Und er macht sich Sorgen, dass die staatliche Lufthansa von einem „Alleinunterhalter“ in eine ungewisse Zukunft gesteuert wird. Und auch darüber, dass die bisher so erfolgreiche „Soziale Marktwirtschaft“ innerhalb der Lufthansa auf Kosten der Mitarbeiter bewusst aufgeweicht wird.
Von den Fehlern im Management, dass man den Einkauf des Kerosins viel zu hoch und zu lange absicherte und damit Millionen in den Sand setzte, davon redet man überhaupt nicht.
Und noch einmal: Der Überflieger hat viele Sympathien für die Lufthansa, hat jedoch große Bedenken, dass man durch die jetzige Politik des Managements in Person von Wolfgang Mayrhuber auf dem richtigen Weg ist. Diesen Weg kritisch zu begleiten ist nicht nur ein Anliegen, nein, sogar Pflicht eines Journalisten – auch im kommenden Jahr, für das Ihnen der Überflieger alles erdenklich Gute wünscht und hofft, dass 2009 kein ganz so hartes Jahr für die Airlines wird.
In diesem Sinne fliegen Sie 2009 mit wem Sie wollen, Hauptsache Sie haben einen guten Flug
Ihr Überflieger
Der Überflieger freut sich über Post an:
ueberflieger@airline-bewertungen.eu
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