Viehtransport nach Osten
Ich bin am 17. März mit TUIfly nach Berlin geflogen. Da ich normalerweise nur
längere Strecken (S-Afrika, USA, Japan) reise, bin ich den Komfort von Lufthansa
gewohnt. Also war der einstündige Flug ein Experiment, was ein Billigflieger
taugt.
NICHT VIEL...
Für 151 Euro bekam ich einen Platz (vgl. Lufthansa 261 Euro). Beim Check-In
wurde ich nicht begrüßt, sondern die eher schüchterne Check-In-Lady hatte mich
in 3 Sätzen abgefertigt.
Ein Lob gilt dem netten Flughafenpersonal in Stuttgart, das stets höflich und
korrekt arbeitet.
Nach dem Aufruf zum Boarden wurden alle (geschätzten) 150 Passagiere in 2 Busse
regelrech hineingepfercht- ich reiste nur mit Handgepäck, ein Trolley, den mir
eine Dame recht unfein gegen die Füsse trat, weil kein Platz war.
Am Flugzeug, von aussen einen guten Eindruck machend, mussten wir etwa 5 Minuten
bei 0 Grad vor den Gangways warten bis wir von zwei recht attraktiven
Stewardessen hineingebeten wurden.
Minus: Anstatt vernünftiger Zeitungen oder Magazine gab es zum Lesen lediglich
das Bordmenu und einen Katalog mit Ramschwaren der Fluggesellschaft.
Mein Fensterplatz hat sich eigentlich nicht gelohnt. Der Sitz fühlte sich an wie
ein Campinghocker, wackelte und knarzte. Das Fenster war derart verschmiert, von
außen wie innen, das man nichts genaues erkennen konnte.
In der Ablage lagen eine abgegriffene Sicherheitsbroschüre und jede Menge
Bonbonpapiere. Recht verstimmt fragte ich meinen mir unbekannten Sitznachbarn,
ob das immer so sei. Er wusste es nicht. Was ich wusste ist, das er fast auf mir
draufgesessen ist.
Abstand und Breite der Sitze entsprachen eben jenem Campinghocker, Comfort war
nicht vorhanden. Recht pünktlich ging es los. Nach dem Start in Stuttgart ging
es recht zügig bis die Stewardessen unverschämt teure Getränke und Snacks
anboten. Für 5,50 Euro eine Dose Coca-Cola und einen Schokoriegel zu zahlen
grenzt an Diebstahl. Nach einem sonst ruhigen Flug landeten wir pünktlich in
Berlin.
Nach der Landung, während die Maschine noch auf dem Taxiway rollte, sprang der
gemeine Mob (fast alle Passagiere) von den Sitzen, die Gepäckstücke in die
Bäuche rammend auf um auch ja schnell genug aus dem (noch rollenden) Flugzeug zu
kommen. Verständlich, das sich bei einer starken Bremsung des Flugzeuges alle
Passagiere unfreiwillig in den Armen lagen oder auf dem Boden kniend
wiederfanden.
Nach der Ankunft am Gate wurden wir mit einer kleinen Süßigkeit verabschiedet,
was als nette Geste ankam. Die Süßigkeit war bitter nötig, angesichts des
grausamen Flughafens Tegel. Würde Otto Lilienthal noch leben würde er sich
schämen, das sein Name auf diesem Gebäude stehen würde. Es ist dreckig, laut, es
stinkt, das Personal ist unfreundlich, geschweige von den Taxifahrern vor der
Tür. Noch während des Einladens des Trolleys in den Kofferraum meines Taxis
hätte uns (Fahrer und Mich) ein Kollege des Ersteren beinahe überfahren.
Dieser Flug war alles in allem nicht sehr angenehm, und wer sich Stress und
Campinghocker ersparen will, wählt den 100 Euro teureren Platz bei der
Lufthansa. Ich denke, wer 12 mal im Jahr fliegt weiß, was einen guten Flug
ausmacht und um zu überzeugen, hat TUIfly noch einen langen Weg vor sich.